Ein holpriger Start
Am 2. Oktober ging es los. Die Frau war bereits am frühen Nachmittag fertig, während ich noch im Home Office saß und mich durch Abrechnungen und Telefonate arbeitete.
Als ich schließlich fertig war, stand der Esel bereit. Kleidung für verschiedene Temperaturen, Lebensmittel für die ersten Tage. Ich musste im Grunde nur noch einsteigen und losfahren.
Die ersten Kilometer verliefen ruhig, fast unspektakulär. Doch das änderte sich schneller als erwartet. Der Verkehr wurde dichter, die Geschwindigkeit nahm ab, und schließlich erreichten wir eine Baustelle bei Soltau. Drei Spuren wurden auf eine reduziert – ein klassischer Engpass, der sich in Zeit misst.
Noch war das alles im Rahmen. Wirklich kritisch wurde es erst hinter Hamburg. Der Verkehr kam plötzlich vollständig zum Erliegen. Motor aus. Warten.
In solchen Momenten verändert sich die Wahrnehmung. Man hört weniger, schaut mehr. Man beobachtet die Umgebung, die Menschen in den anderen Fahrzeugen, die Uhr. Vor allem aber beginnt man zu rechnen: Wie viel Zeit bleibt? Wie weit ist es noch? Was passiert, wenn sich das hier nicht bald auflöst?
Feuerwehrfahrzeuge und ein Notarztwagen bewegten sich durch die Rettungsgasse, und es war klar, dass sich der Stau nicht so schnell auflösen würde. Neben uns lag ein Rasthof, und ich bemerkte, wie einzelne Fahrzeuge begannen zu wenden und über einen unscheinbaren Weg verschwanden.
Erst nach einiger Zeit wurde klar, dass eine Ableitung von der Autobahn eingerichtet wurde. Die Fahrzeuge setzten sich langsam in Bewegung – allerdings nicht in die ursprüngliche Richtung, sondern in einem Geflecht aus Abbiegen, Wenden und Einfädeln. Fahrzeuge von der Autobahn, vom Rastplatz und aus der Gegenrichtung mussten sich auf engem Raum sortieren.
Es wirkte chaotisch, fast improvisiert, aber erstaunlicherweise funktionierte es. Jeder suchte seinen Platz, ließ andere hinein, und Stück für Stück kam Bewegung in das Ganze.
Als wir wieder auf freier Strecke waren, änderte sich die Situation schlagartig. Weniger Verkehr, gleichmäßiges aber höheres Tempo. Die letzten Kilometer zum Skandinavienkai verliefen nahezu ruhig.
Wir erreichten den Check-in von Finnlines noch innerhalb des Zeitfensters. Nicht mit großem Puffer, aber ohne Hektik. In diesem Moment fiel unsere Anspannung spürbar ab.


Auf See: Übergang in einen anderen Rhythmus
Sobald wir an Bord waren, stellte sich ein anderes Tempo ein. Die Hektik der Anreise wich einer ruhigen, fast trägen Stimmung. Die Kabine wurde bezogen, die wichtigsten Dinge verstaut, dann setzte die Müdigkeit ein.
Eine kleine Störung mit der Toilette sorgte noch für einen kurzen Gang zur Rezeption, wurde jedoch schnell behoben. Danach war klar: Jetzt beginnt der Urlaub wirklich.
Der nächste Morgen begann früh, zumindest nach innerer Uhr. Dennoch blieb alles ruhig. Wir haben die Fährpassage ohne Mahlzeitenpaket gebucht. Daher bereitete ich den Kaffee selbst zu, die Frau deckte den kleinen Tisch. Brötchen wurden aufgeschnitten, das am Vortag gekochte Ei im heißen Wasser wieder erwärmt – einfache Abläufe, die auch auf engem Raum funktionieren.
Nach dem Frühstück trat diese typische Urlaubsträgheit ein. Man legt sich nur kurz hin – und schläft deutlich länger als geplant. Als wir wieder aufstanden, war der Tag bereits weit fortgeschritten.
Draußen auf dem Deck zeigte sich ein ruhiges Bild. Die See war vergleichsweise glatt, das Licht weich, die Sonne stand flach am Himmel. Vereinzelte Schiffe zogen am Horizont vorbei, ohne die Ruhe zu stören.





Am Abend richtete sich der Blick erstmals bewusst zum Himmel. Die Bedingungen waren nicht ideal, doch auf den Fotos ließ sich ein schwacher grüner Schimmer erkennen. Noch kein echtes Nordlicht, aber ein erster Hinweis darauf, dass sich das Warten lohnen könnte.











































