Herbsttour Finnland und Schweden

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Mainline » Di, 15. Sep 2026, 8:03

Im Oktober 2025 waren wir spontan zu einer Herbsttour in Finnland und Schweden, denn wir wollten wieder einmal Polarlichter sehen. Finnlines hatten ein gutes Angebot für die Fähre nach Helsinki, bei dem ich schwach geworden bin. Von Travemünde mit dem Schiff Richtung Helsinki. Zwei Übernachtungen an Bord und im Laderaum unser Camper, genannt ESEL.


Ein holpriger Start

Am 2. Oktober ging es los. Die Frau war bereits am frühen Nachmittag fertig, während ich noch im Home Office saß und mich durch Abrechnungen und Telefonate arbeitete.

Als ich schließlich fertig war, stand der Esel bereit. Kleidung für verschiedene Temperaturen, Lebensmittel für die ersten Tage. Ich musste im Grunde nur noch einsteigen und losfahren.

Die ersten Kilometer verliefen ruhig, fast unspektakulär. Doch das änderte sich schneller als erwartet. Der Verkehr wurde dichter, die Geschwindigkeit nahm ab, und schließlich erreichten wir eine Baustelle bei Soltau. Drei Spuren wurden auf eine reduziert – ein klassischer Engpass, der sich in Zeit misst.

Noch war das alles im Rahmen. Wirklich kritisch wurde es erst hinter Hamburg. Der Verkehr kam plötzlich vollständig zum Erliegen. Motor aus. Warten.

In solchen Momenten verändert sich die Wahrnehmung. Man hört weniger, schaut mehr. Man beobachtet die Umgebung, die Menschen in den anderen Fahrzeugen, die Uhr. Vor allem aber beginnt man zu rechnen: Wie viel Zeit bleibt? Wie weit ist es noch? Was passiert, wenn sich das hier nicht bald auflöst?

Feuerwehrfahrzeuge und ein Notarztwagen bewegten sich durch die Rettungsgasse, und es war klar, dass sich der Stau nicht so schnell auflösen würde. Neben uns lag ein Rasthof, und ich bemerkte, wie einzelne Fahrzeuge begannen zu wenden und über einen unscheinbaren Weg verschwanden.

Erst nach einiger Zeit wurde klar, dass eine Ableitung von der Autobahn eingerichtet wurde. Die Fahrzeuge setzten sich langsam in Bewegung – allerdings nicht in die ursprüngliche Richtung, sondern in einem Geflecht aus Abbiegen, Wenden und Einfädeln. Fahrzeuge von der Autobahn, vom Rastplatz und aus der Gegenrichtung mussten sich auf engem Raum sortieren.

Es wirkte chaotisch, fast improvisiert, aber erstaunlicherweise funktionierte es. Jeder suchte seinen Platz, ließ andere hinein, und Stück für Stück kam Bewegung in das Ganze.

Als wir wieder auf freier Strecke waren, änderte sich die Situation schlagartig. Weniger Verkehr, gleichmäßiges aber höheres Tempo. Die letzten Kilometer zum Skandinavienkai verliefen nahezu ruhig.

Wir erreichten den Check-in von Finnlines noch innerhalb des Zeitfensters. Nicht mit großem Puffer, aber ohne Hektik. In diesem Moment fiel unsere Anspannung spürbar ab.

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Auf See: Übergang in einen anderen Rhythmus

Sobald wir an Bord waren, stellte sich ein anderes Tempo ein. Die Hektik der Anreise wich einer ruhigen, fast trägen Stimmung. Die Kabine wurde bezogen, die wichtigsten Dinge verstaut, dann setzte die Müdigkeit ein.

Eine kleine Störung mit der Toilette sorgte noch für einen kurzen Gang zur Rezeption, wurde jedoch schnell behoben. Danach war klar: Jetzt beginnt der Urlaub wirklich.

Der nächste Morgen begann früh, zumindest nach innerer Uhr. Dennoch blieb alles ruhig. Wir haben die Fährpassage ohne Mahlzeitenpaket gebucht. Daher bereitete ich den Kaffee selbst zu, die Frau deckte den kleinen Tisch. Brötchen wurden aufgeschnitten, das am Vortag gekochte Ei im heißen Wasser wieder erwärmt – einfache Abläufe, die auch auf engem Raum funktionieren.

Nach dem Frühstück trat diese typische Urlaubsträgheit ein. Man legt sich nur kurz hin – und schläft deutlich länger als geplant. Als wir wieder aufstanden, war der Tag bereits weit fortgeschritten.

Draußen auf dem Deck zeigte sich ein ruhiges Bild. Die See war vergleichsweise glatt, das Licht weich, die Sonne stand flach am Himmel. Vereinzelte Schiffe zogen am Horizont vorbei, ohne die Ruhe zu stören.

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Am Abend richtete sich der Blick erstmals bewusst zum Himmel. Die Bedingungen waren nicht ideal, doch auf den Fotos ließ sich ein schwacher grüner Schimmer erkennen. Noch kein echtes Nordlicht, aber ein erster Hinweis darauf, dass sich das Warten lohnen könnte.

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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Gudrun » Di, 15. Sep 2026, 9:23

Oh, ein neuer Reisebericht. Schön, dass Du uns mitnimmst. Der Spätherbst/Winter ist zwar nicht meine Zeit, aber ich reise gern mit.

Grüße Gudrun
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Andrea.t77 » Di, 15. Sep 2026, 18:13

Ui, da freue ich mich auch, den Feierabend direkt mit deinem Bericht starten zu können.
Allerdings... die Aufregung mit der gesperrten Autobahn hätte es nicht gebraucht :wink:

Und auch wenn ich noch immer mit dem grau des Esels hadere :lol: - ich reise gerne mit. Vielen Dank :D

VG, Andrea
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Hermine » Mi, 16. Sep 2026, 6:00

Danke, dass Du uns teilhaben lässt :D
freue mich schon auf die Fortsetzung
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Mainline » Mi, 16. Sep 2026, 8:45

Finnland: Unterwegs im Gleichmaß

Finnisches Eisenbahnmuseum

Unser erster Stopp in Finnland führt uns zum Finnisches Eisenbahnmuseum. Ganz ehrlich: Ich hatte mir etwas mehr erhofft. Die Fahrzeuge stehen dicht gedrängt in einer Halle, manchmal zwischen dicken Pfeilern, was ihnen viel von ihrer Wirkung nimmt. Meist kann man sie nur von außen anschauen, und selbst ein Blick ins Innere ist oft schwierig, da vieles nicht beleuchtet ist. Auch die Führerstände der Lokomotiven lassen sich nur von unten erahnen.

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Im Ringlokschuppen wirkt es immerhin etwas authentischer und heller, was mir besser gefällt. Das Außengelände ist eher unspektakulär, hauptsächlich Gebäude ohne großen Aha-Effekt. Ein kleines Highlight sind die dargestellten Spurweiten und Schienenprofile – das ist ganz anschaulich gemacht.

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Nach rund zwei Stunden sind wir durch. Nicht schlecht, aber auch nichts, was wirklich in Erinnerung bleibt. Im angrenzenden Supermarkt holt die Frau noch etwas zum Kaffee. Dann fahren wir Richtung Rauma.
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Mainline » Do, 17. Sep 2026, 10:03

An die Westküste

Die Altstadt von Rauma mit ihren Holzhäusern ist – laut Nordlandblog – sehenswert, doch wir bewegten uns eher ohne festen Plan durch die Straßen. Es ging weniger darum, alles zu sehen, sondern vielmehr darum, ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Nach einer guten Stunde sitzen wir wieder im Esel und trinken Käffchen, dazu die Plunderstückchen vom Supermarkt – oder so dachten wir. Die Teilchen sind aus herzhaften Roggenteig und mit Kartoffelpüree gefüllt.

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Mit der Zeit verlagerte sich der Fokus immer stärker auf das Unterwegssein selbst. Die Straßen führten durch ausgedehnte Waldgebiete, vorbei an Seen, über lange Abschnitte ohne nennenswerten Verkehr.

Das Wetter spielte dabei eine konstante Nebenrolle: viel Grau, immer wieder Regen, nur gelegentlich Auflockerungen. Besonders entlang der Küste bei Vaasa zeigte sich, wie sehr die Landschaft durch üppige Vegetation geprägt ist. Obwohl die Straße oft nah am Wasser verläuft, bleibt der Blick darauf meist verborgen.

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Dennoch entwickelte sich daraus eine eigene Atmosphäre. Wir hielten an kleinen Rastplätzen, tranken Kaffee im Auto, bestellten Pizza, kauften Fisch beim Straßenhändler und bereiteten einfache Mahlzeiten zu. Dabei immer die Landschaft im Blick, die ruhig, grau und gleichmäßig wirkte.

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Mit der Zeit entsteht bei dem regnerischen Wetter eine gewisse Gelassenheit oder auch Lethargie. Nördlich von Rovaniemi sollte der Himmel frei sein. Ich überlegte, ob eine lange Etappe dorthin besser wäre. Verwarf den Plan allerdings wieder, denn wir wollten ja die Westküste Finnlands sehen.
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Andrea.t77 » Do, 17. Sep 2026, 12:43

Ohjee, ein Plunderteilchen zu erwarten und stattdessen in etwas Herzhaftes beißen... Ich hoffe, es hat ab dem zweiten Bissen dann doch geschmeckt :D

Danke für die Fortsetzung. Ja, manchmal gehört grau und Regen eben dazu und man muss das Beste draus machen. Ich bin gespannt, ob Ihr noch in richtig tolles Herbstwetter kommt.

LG,
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon mallimaus » Fr, 18. Sep 2026, 7:55

Danke für deinen Reisebericht.
Es ist immer wieder schön von authentischen Erlebnissen zu lesen und sehen.
Finnisch kann man sicher nur schwer bis gar nicht deuten, so kommt es dann zu den herzhaften Plunderteilen ... :shock:
Die Landschaft und Orte strahlen eine herrliche Ruhe aus, eine schöne Entschleunigung zur stressigen Anreise.
Ich hoffe ihr hattet auch etwas trockeneres Wetter.
Gruß Marion

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest Lk 6,31
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Re: Herbsttour Finnland und Schweden

Beitragvon Mainline » Fr, 18. Sep 2026, 7:57

Richtung Schweden: Auf der Suche nach klaren Nächten

Da sich das Wetter nicht besserte, entschieden wir uns, weiter nach Norden zu fahren um nach Schweden zu wechseln. Unser Ziel war die Region um Gällivare.

Die Strecke dorthin war lang und teilweise eintönig, hatte aber ihren eigenen Rhythmus. Wenig Verkehr, lange gerade Abschnitte, immer wieder Rentiere am Straßenrand, die sich nur langsam entfernen.

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Mit zunehmender Strecke wurde das Wetter besser. Die Wolkendecke lockerte auf, erste größere Lücken entstanden, und schließlich zeigte sich auch mal ein klarer Himmel.

Unser Ziel ist der Hausberg von Gällivare, der Dundret. Er liegt südlich des Stadtzentrums und ist 823 Meter hoch. Oben angekommen richteten wir uns ein. Der Platz bot eine gute Sicht, wenig Lichtverschmutzung und ausreichend Raum. Kamera und Stativ wurden vorbereitet, warme Kleidung lag bereit, – aber es gab leider kein Nordlicht.

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Gegen 12 Uhr fuhren wir wieder vom Berg hinunter und zurück auf die E10 – ein Abschnitt, der sich fast schon vertraut anfühlte, obwohl wir mitten in Lappland unterwegs waren.

Dann ging es weiter auf die kleine Straße BD822 Richtung Nattavaara.

Sobald man dort abbiegt, verändert sich die Stimmung spürbar. Die Straßen werden schmaler, die Welt ruhiger. Moorige Flächen, Wälder, kleine Seen – und kaum noch jemand unterwegs. Genau dieses reduzierte, weite Finnland und Schweden ist es, das diese Reise so besonders macht.

Das Wetter war zwar wechselhaft, aber nicht unfreundlich. Immer wieder Regen, dann wieder kurze helle Momente. Schließlich landeten wir am Bahnhof von Nattavaara. Ein schlichter Schotterplatz direkt an den Gleisen – nichts Spektakuläres, aber genau richtig für eine entspannte Pause. Es hatte etwas angenehm Ruhiges, fast Zeitloses.

Während die Frau das Essen vorbereitet, habe ich schon nach einem Übernachtungsplatz geschaut – eher spielerisch als hektisch, denn wir hatten Zeit. Und der Platz ließ sich schnell finden: ein kleines Seengebiet in der Nähe, über Waldwege erreichbar. Einer dieser Wege führte bis ganz ans Ende, direkt ans Wasser. Dort stellten wir uns hin.

Im Sommer wäre das vermutlich ein belebter, vielleicht mückenreicher Ort gewesen. Jetzt, bei frischer, klarer Luft und nur wenigen Grad über Null, war es ruhig und angenehm leer.

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Im Esel wurde es schnell warm. Kaffee, ein Stück Käsekuchen, und dieses typische Gefühl am Ende eines Fahrtages: Alles ist erledigt, nichts drängt mehr, und der Platz passt genau so, wie er ist.


Die Sonne kämpfte sich immer wieder durch die Wolken, und plötzlich war sie da – dieses klare Blau, das man im Norden sofort anders wahrnimmt als weiter südlich. Die Landschaft wirkte sofort freundlicher, offener, fast leichter. Wir sind in verschiedene Richtungen losgestromert, haben einfach geschaut, fotografiert und die kurze Wetterbesserung ausgenutzt. Es ist erstaunlich, wie viel wärmer es sich anfühlt, sobald die Sonne rauskommt – trotz der eigentlich niedrigen Temperaturen.

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Irgendwann kam der ganz praktische Teil des Tages: Wir haben kein Brot mehr. Glücklicherweise gibt es in Nattavaara tatsächlich noch einen kleinen Gemischtwarenladen, einen „Handlar’n“. Kein großes Sortiment, aber genau das, was man braucht. Also kurzer Abstecher, Brot und Milch eingekauft, und schon waren die nächsten Tage gesichert.

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