Gravelroads

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Gravelroads und Wasserfälle

Beitragvon Mainline » Sa, 18. Dez 2021, 13:25

Ein sehr informativer Bericht. Kirchen und Wasserfälle liegen Dir offenbar mehr, als die Gravelroads :lol:

Dein Auto sieht immer so sauber aus, nutzt Du die kostenlosen Waschplätze regelmäßig?

Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich der Zustand auf den Campingplätzen in den letzten Jahren verbessert hat. Aber die Wahl eines guten Platzes ist wohl Glückssache.

Ich mache mir jedenfalls beim Lesen deines Berichtes fleißig Notizen und bin gespannt auf die tägliche Fortsetzung.
Grüße
Gerhard
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Sa, 18. Dez 2021, 17:42

skandinavian-wolf hat geschrieben:Ja Martin, nachdem Du nun so ziemlich alle meiner Ziele im nächsten Jahr abgefahren bist, wunderschön illustriert und kommentiert, kann ich mir die eigene Reise eigentlich sparen!? :wink:
Spart Zeit und vor allem viel Geld.

So teuer ist Island nun auch nicht. Kraftstoffpreise sind marginal höher, Lebensmittel auch erschwinglich. Richtig teuer sind Alkohol, Naschies, Restaurants und Hotels.
Mainline hat geschrieben:Wasserfälle liegen Dir offenbar mehr, als die Gravelroads

Gut beobachtet - ich liebe Wasserfälle.
Mainline hat geschrieben:Dein Auto sieht immer so sauber aus, nutzt Du die kostenlosen Waschplätze regelmäßig?

Ja, dafür sind die da.
Mainline hat geschrieben:Ich mache mir jedenfalls beim Lesen deines Berichtes fleißig Notizen und bin gespannt auf die tägliche Fortsetzung.

Deshalb geht es auch gleich weiter !


18. Tag – 22. August 2021 – Sonntag

In der Nacht hatte es geregnet und am Morgen war die Wiese natürlich nass. Das mag ich nicht, sind doch von dem hohen Gras gleich die Hosenbeine nass. Aber ich bin tapfer, gehe gleich duschen und frühstücke ausgiebig. Ich bin mittlerweile mit mir selber ein gut eingespieltes Team.

Bevor ich den Ort verlasse muss ich noch mal Tanken (klappt mit EC-Karte problemlos) und mein Auto waschen. Schön dass es dafür kostenlose Waschplätze mit Schlauch und Bürste gibt. Gerade in den Radkästen kam echter Modder zu Tage.

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Ich fahre jetzt die 61, die für den weiteren Verlauf der Westfjorde asphaltiert ist. Ein ange-nehmes Fahren. Natürlich gibt es Kurven (reichlich) und auch Steigungen und Senkungen, aber es fährt sich mit Fahrbahnmarkierungen einfach besser und sicherer.

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Die Fahrt um die einzelnen „Finger“ der Westfjorde ist gigantisch schön und abwechslungsreich. Obwohl alles irgendwie zusammen passt und gehört, meint man hinter jeder Kurve wieder Neues zu entdecken und eine andere Landschaft vor sich zu haben.

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Mal bizarr und wild, dann wieder ruhig und mit weiten Wiesen. Mal nur Fels und Gestein und dann wieder Berghänge mit Sträuchern, kleinen Wasserläufen und Blaubeeren in Hülle und Fülle.

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Ich möchte am liebsten alle paar Kilometer anhalten, die Landschaft voll in mich aufnehmen und auch fotografieren. Aber die Straßenverhältnisse lassen das nicht zu. Es gibt so gut wie keine Möglichkeit, ohne eine Behinderung des nachfolgenden Verkehrs einmal am Straßenrand anzuhalten. Allenfalls könnte man ein Parkplatz-Hopping veranstalten, denn Parkplätze gibt es an der 60 bzw. dem Súgandafjarðarvegur viele. Das fällt auf, denn bisher war die Strecke nach Park- und Rastplätzen nicht so gut bestückt.

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Kurz vor dem kleinen Ort Ísafjörður fahre ich durch den gut 9 Kilometer langen Vestfjarðagöng. Also Tunnel können die Isländer auch. Sogar mit einem Abzweiger mitten-drin. Ich glaube, so etwas wäre bei uns undenkbar. Fairerweise muss am aber einräumen, dass das Verkehrsaufkommen mit dem in Deutschland nicht mal annähernd zu vergleichen ist.

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Ich habe Zeit und fahre zunächst an Ísafjörður vorbei bis nach Bolungarvik zum Leuchtturm Óshólar. Auch er strahlt in seinem leuchtend-orange. Sehr schön. Von dort habe ich eine tolle Aussicht auf den Ort.

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Ich überlege noch, ob ich auf das nahegelegene Bolafjall und zu der dortigen Latrar Air Station fahre, aber das Wetter ist dafür zu schlecht. Die Wolken kleben am Berg und es ist sehr diesig; von oben hätte ich also kaum eine nennenswerte Sicht auf die Umgebung. Da kann ich mir die Serpentinen ersparen.

Also wieder zurück und durch den Bolungarvíkurgöng (5,4 Kilometer) weiter nach Ísafjörður. Ich hatte über den kleinen Ort eine Reportage im Fernsehen gesehen und kann mich erinnern, dass ein finanziell gut gestellter Gewerbetreibender viel für seinen Ort tun will, damit er attraktiver wird und bleibt.

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Bei meinem Spaziergang durch den Ort kann ich für mich feststellen: Das scheint ihm schon ein Stückchen gelungen. Der Ort wirkt lebendig und hat viele Ideen, von Museum für Unnützes oder eines für den Alltag, von Cafés und Restaurants bis hin zum Terminal für Kreuzfahrer. Und schon liegt eines an der Pier – wenn auch nicht eines von den ganz Großen.

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Es macht Spaß durch diesen Ort zu gehen und immer wieder Neues und Interessantes zu entdecken. Natürlich gibt es auch hier ein „gamle Hus“ und Ecken, die verbesserungswürdig sind. Aber das passt dann doch irgendwie in das Gesamtbild eines lebendigen Ortes.

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Etwas verstörend ist für mich der Zustand des Friedhofs an der Ísafjarðarkirkja; aber viel-leicht soll das so sein; vielleicht leben die Isländer eine andere Trauer- und Totenkultur.

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Ich mag mich von dem kleinen Ort kaum trennen, muss aber doch wieder „on the road“ und weiter auf meine Fahrt in diese grandiose Fjord- und Bergwelt. Hier braucht es keine großen Wasserfälle und keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Die Natur selbst ist sehenswert genug. Dabei komme ich an der Arnarneshamar, eine Landspitze am Skutulsfjörður durch die der älteste und kürzeste Tunnel Islands führt.

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Ein Stückchen der 61 weiter, in Súðavík, erregen zwei überdimensionale Schwäne mein Interesse. Sie bilden das Eingangsportal eines großen Spielplatzes bzw. Vergnügungspark für Jung und alt; für Kleinkinder bis Senioren. Dazu Tische, Bänke, Grillplätze und-und-und. Toll.

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Daneben auch etwas Kunst, die sich mir allerdings nicht so ganz erschließt. Nach einer kurzen Besichtigungsrunde fahre ich schließlich weiter durch diese phantastische Landschaft der Westfjorde.

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Auf einem Rastplatz am Skötufjörður, der als bekannter Beobachtungspunkt für Robben auf einer vorgelagerten kleinen Robbenbank sein soll, mache ich meine verspätete Mittagspause. Aber ich kann keine Robben ausmachen.
Dafür habe ich Glück und kann aus einer Selbstbedienungsbox Blaubeermarmelade kaufen. So habe ich gleich ein Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

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In Reykjanes besuche ich das „Saltverk“, eine junges Start-Up, das sich der Salzgewinnung mit Geothermik unter verschiedenen Aspekten und Geschmacksrichtungen widmet. Ihre Produkte findet man in Island nahezu in jedem größeren Supermarkt. Und natürlich auch in den besten Restaurants des Landes.

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Vor Ort bin ich etwas enttäuscht, hatte ich doch eine ganz andere Vorstellung. Eine kleine „Bude“ mit drei Edelstahlbottichen, an denen ein Mann/Mitarbeiter die Salzlauge hin und her rührt.

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Keine Besichtigung, keine Erklärung und der Verkauf besteht im Grunde genommen aus einer Vitrine und einem Regal, auf dem die verschiedenen Produkte angeboten werden. Es ist auch niemand für Fragen dort. Also gehe ich wieder – schade.

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Mein nächster Halt findet bei einem „Lost Places“, dem so genannten Arngerðareyri Kastallin oder „the old Castle“ statt. Es ist ein Haus unmittelbar an der Straße 61, das durch seine besondere Architektur auffällt. Im Internet lese ich dazu, dass das Haus 1928 gebaut und 1966 aufgegeben wurde. Es diente in der Region als Geschäft und Poststation, hatte aber auch einen Fähranleger am Fjord. Nachdem das Haus über 40 Jahre leer gestanden hat, soll es angeblich von einem deutschen Ehepaar gekauft worden sein, die es jetzt wieder restaurieren.

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Vor Ort sieht man nicht viel von einer Renovierung oder Instandsetzung. Die Fenster scheinen relativ neu zu sein. Und die Zugänge zum Inneren des Gebäudes sind verschlossen. Es gibt Bilder im Internet, da konnte man noch ungehindert hinein. Aber ein Fototermin ist es allemal.

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Den Abschluss des Tages bildet das Museum für Magie und Hexerei in Hólmavík. Es ist total interessant, was dort zu diesem Thema alles zusammengetragen wurde.

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Man erfährt alles über das Leben der Menschen im 17. Jahrhundert, ihren Geist und ihre Lebensweise. Und man lernt die magischen Zeichen und Buchstaben zu deuten. Dazu gibt es eine Reihe von Geschichten von Trollen, Hexen und Magiern. Und alle Geschichten sind nett dargestellt.

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Und nun weiß ich, was es mit der schwarzen Katze auf sich hat und wie ein junger Bursche eine Frau bekommt. Und-und-und.

Es ist erstaunlich, was und wie viel in diesem kleinen Museum zu den Themen Magie und Hexerei in Island zu sehen und zu lesen gibt.

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Interessant auch die kleine Holzkirche Hólmavíkurkirkja, die auf einem Hügel über dem Ort liegt.

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Scheinbar verhext checke ich auf dem kommunalen Campingplatz am Schwimmbad ein, der außer zwei Toiletten und einem Abwaschplatz im Freien nichts weiter zu bieten hat, und muss hinnehmen, dass die Rabatte für Behinderte und Senioren hier für Ausländer nicht gelten. Ich wusste gar nicht, dass die Isländer „rassistisch“ sind. :) :)
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Re: Gravelroads

Beitragvon Voronwe » Sa, 18. Dez 2021, 18:45

Kurzer Einwand: Abzweige im Tunnel gibt es auch in Deutschland (allerdings mit Ampel): z.B. im Heslacher Tunnel in Stuttgart (https://goo.gl/maps/snmbiTWBW1c3Rjjg6)
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Sa, 18. Dez 2021, 19:48

Voronwe hat geschrieben:Kurzer Einwand: Abzweige im Tunnel gibt es auch in Deutschland

Wieder was dazu gelernt - hätte ich nie und nimmer vermutet. Danke
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Re: Gravelroads

Beitragvon syltetoy » Sa, 18. Dez 2021, 20:12

Einfach nur herrlich deine Berichte und die traumhaften Fotos, vielen Dank Martin.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Canadier » So, 19. Dez 2021, 10:23

Sag mal, auf dem Bild wo du Ísafjörður schon wieder verlassen hast und man den Kreuzfahrer auf der anderen Seite liegen sieht, deute ich das richtig, das da nen Zebrastreifen mitten in der Pampas ist? Bild Bild
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Re: Gravelroads

Beitragvon Voronwe » So, 19. Dez 2021, 10:36

Canadier hat geschrieben:Sag mal, auf dem Bild wo du Ísafjörður schon wieder verlassen hast und man den Kreuzfahrer auf der anderen Seite liegen sieht, deute ich das richtig, das da nen Zebrastreifen mitten in der Pampas ist? Bild Bild


Wenn ich mir die Zahl auf dem Asphalt angucke würde ich auf eine Landebahn tippen
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Re: Gravelroads

Beitragvon Canadier » So, 19. Dez 2021, 15:28

Habe ich auch dran gedacht, aber der Zebrastreifen wäre doch viel cooler! Bild
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » So, 19. Dez 2021, 16:59

Canadier hat geschrieben:Habe ich auch dran gedacht, aber der Zebrastreifen wäre doch viel cooler!

Stimmt - aber es ist eine Landebahn.

19. Tag – 23. August 2021 – Montag

Der nächtliche Regen scheint sich in Island eingespielt zu haben. Denn auch in dieser Nacht wurde es hörbar feucht, hörte doch rechtzeitig zum Morgen wieder auf. Die Luft war noch sehr feucht; also Frühstück im Stehen, denn bei 10/11 Grad macht lange hinsetzen keinen Spaß.

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Danach schnell die Route für den Tag gecheckt und ab auf die Piste. Gravelroad – was soll es anders sein. Glücklicherweise nur über einen Teil der Straße 68 an der Küste – aber es reichte, um mein Auto total einzusauen.

Mit der Feuchtigkeit bildeten sich keine Staubwolken mehr hinter dem Fahrzeug; aber dafür klebte der Matsch an der Karosserie von den Türgriffen abwärts.

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Aber die Landschaft ist und bleibt großartig. Schöne Wiesen, schöne Strandabschnitte und auch schöne naturbelassene Flächen mit Unmengen an Treibholz. An einigen Stellen wurde es zusammengetragen, an anderen liegt es so, wie die Kraft der Natur es an Land gespült hat.

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Unterwegs leuchtet eine Kontrolllampe in der Multifunktionsanzeige, dass eine Scheinwerferbirne kaputt ist. Also muss ich kurzentschlossen meine Route ergänzen und erst einmal eine Werkstatt suchen. In Hvammstangi werde ich auch sofort fündig. Der „Laden“ wirkt wie das reinste Chaos und sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus. Aber mir wird geholfen. Ich bekomme die neue Glühbirne, zahle knapp 500 ISK (rd. 3,50 €), kann mir aber nicht erklären, warum die Kontrollanzeige in der MFA immer noch leuchtet. Der Monteur kann sich das auch nicht erklären; gemeinsam checken wir die gesamte Beleuchtung am Fahrzeug – brennt alles. Also mache ich mich an die Fortsetzung meiner Rundreise. Soll doch die Werkstatt zu Hause das Problem lösen (Anm.: Hat sie auch – die Birne war nicht tief genug eingesteckt).

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Der Weg führt mich zum wunderschönen Kolugljúfur Canyon und Wasserfall. Atemberau-bend. Und das mitten in einer unscheinbar wirkenden Wiesenlandschaft.

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Der Canyon ist knapp einen Kilometer lang und zwischen 40 und 50 Meter tief. Ich mit meiner Höhenangst mag da kaum hinunter schauen, geschweige dann, nah an den Abgrund heranzutreten, um Fotos zu machen. Na gut – dann gibt’s eben 1-B-Ware.

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Der nächste Besuchspunkt zwingt mich wieder auf eine Schotterpiste. Dem Auto ist es jetzt egal; es ist eh dreckig. Aber über 30 Kilometer hin und wieder zurück für einen bizarren Vogelfelsen im Meer sind schon sehr „speziell“. Sollte man sich vorher überlegen. Allerdings muss ich zugeben, dass der Hvitserkur ein attraktives Fotomotiv ist.

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Zurück zur Ringstraße, die auch ein schnelleres Fahren zulässt und nach der Schotterpiste richtig Spaß macht.

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Inzwischen regnet es wieder, aber das tut meiner guten Laune keinen Abbruch. Ich fahre zum Glaumbær Museum; ein alter Hof aus dem 18./19. Jahrhundert, deren Häuser alle in Torfrasenbauweise errichtet sind.

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Die Gebäude in Glaumbær bestehen aus dünnen Holzbrettern und sind voneinander durch dicke Schichten von Torfrasen getrennt und isoliert. Auch das Dach ist mit einer dicken Schicht des gleichen Materials bedeckt. Das isländische Gras wächst sehr kräftig, daher ist dieser Torfrasen eine starke und dauerhafte Verbindung von Wurzeln und Erde.

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Interessant ist, dass die Häuser über einen langen Korridor alle miteinander verbunden sind.

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Alles in dem Museum, ob von außen oder auch im Inneren ist lehrreich und anschaulich dargestellt. Aber länger als eine Stunde kann ich mich dort auch nicht aufhalten. Es gibt diesen einen Hof mit seinen Häusern und Räumen und nebenan eine Kirche, die allerdings nicht zum Freilichtmuseum gehört.

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Mein Fazit: Glaumbær ist lehrreich, interessant und sehenswert.

Abends bin ich auf dem Campingplatz in Varmahlíð, der unmittelbar an einem kleinen Wald liegt. Zuerst das Auto mit dem Wasserschlauch abspritzen und vom gröbsten Dreck befreien. Dann einchecken – aber wo und wie? Eine Rezeption gibt es nicht. Als Zahlmöglichkeit wird auf eine Kasse verwiesen oder PayPal an eine Emailadresse. Oder man soll den Campingwirt anrufen oder anmailen und bekommt dann eine Kreditkartenverbindung. Mir ist das alles zu suspekt. Und eine Internetverbindung habe ich auch nicht. Ich warte also ab, was passiert. Morgens und abends soll angeblich jemand nach dem Rechten schauen. Ich denke dann lösen sich die Probleme. Andere Camper haben die übrigens auch.

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Abends um 21:45 Uhr klopft der Kontrolleur an meine Autoscheibe und kassiert die Gebühr; diesmal für Senioren.

Ich wünsche allseits einen schönen 4. Adventsabend
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Mo, 20. Dez 2021, 16:54

20. Tag – 24. August 2021 – Dienstag


Der Morgen ist zwar noch „partly cloudy“, aber es ist bereits 17 Grad warm. Ich vermute, das wird ein warmer Tag. Wie schön nach dem Regen und der Feuchtigkeit von gestern.

Nach dem Frühstück suche ich den Reykjafoss, der nur in einem Seitental von Varmahlíð sein „Versteck“ hat. Denn dieser Fossen ist ein Geheimtipp und nicht touristisch erschlossen. So gelingt es mir auch nicht, von der Straße, die Google Maps mir anzeigt, auch nur den Hauch eines Zugangs zu finden. In den Rezessionen lese ich zwar etwas von zwei Gatter, aber nirgendwo sehe ich an der Straße auch die Chance, mein Auto ordnungsgemäß abstellen zu können. Einfach auf der Straße stehen zu bleiben geht genauso wenig wie mich einen Straßenrand zu stellen, den es gar nicht gibt. Denn nach dem Straßenbelag kommt eine tiefe Rabatte und dann bereits ein noch tieferer Graben. So sehr ich mich auch bemühe, ich finde nichts und drehe frustriert um. Am Ortseingang von Varmahlíð schaue ich noch mal auf eine große Karte; aber auch dort ist nichts zu finden. Also abhaken und weiter.

Ich fahre um die Halbinsel Tröllaskagi und mache kurz vor Hofsós an der ältesten Kirche Islands aus dem 17. Jahrhundert einen Fototermin.

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Die kleine Grafarkirkja, die eigentlich ein Gebetshaus sein soll, ist ein Nachbau von 1953 und wirkt von der Straße 76 sehr unscheinbar. Wenn man es nicht genau weiß, dass dort diese historische Kirche steht, fährt man schnell daran vorbei. Genauso, wie zwei junge Hamburger auf ihren Fahrrädern, die dann aber unverzüglich umdrehten. Island mit dem Fahrrad – bemerkenswert bei den Steigungen, Gravelroads und Strecken, die bewältigt werden müssen.

Die alte Torfkirche wurde im 17. Jahrhundert von dem Bischof in Hólar gebaut, 1765 aber wieder aufgegeben, bis sie 1953 auf Initiative des Nationalmuseums nachgebaut wurde.

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Nach der alten Kirche kommt für mich das absolute Highlight des Tages – das Schwimmbad in Hofsós. Es liegt unmittelbar am Fjord und beim Schwimmen hat man den Eindruck, tatsächlich im Meer zu baden. Und die Temperatur von 24 Grad ist gut zu vertragen.

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Natürlich hat das Schwimmbad auch einen Hot Pot mit einer Wassertemperatur von 38 Grad – man möchte gar nicht wieder aufstehen.

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Sehenswert in dem kleinen Ort sind auch die Kirche aus dem Jahr 1960 mit ihrem blauen Dach sowie die Basaltsäulen an der Steilküste, direkt neben dem Schwimmbad.

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Hinter der Kirche befinden sich gleich der Friedhof des Ortes und dahinter eine Seniorenwohnanlage. Alles dicht beieinander – für „die kurzen Wege“ sozusagen.

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Schön sind natürlich die an dem herrlichen Fjord Skagafjörður befindlichen Basaltsäulen.

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Abgesichert durch einen Treppenniedergang kann man die Klippen von nahezu allen Seiten bestaunen und fotografieren und mit dem Fjord im Hintergrund eine schöne Kulisse haben.

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Ich fahre weiter durch eine phantastische Landschaft am Skagafjörður, zeitweise mit einem herrlichen Blick auf die Insel Þórðarhöfði sowie im Hintergrund die Inseln Málmey. Die Straße wird wieder zur Herausforderung, bleibt aber sensationell schön. Und an die fehlende Mittellinie oder die fehlenden Leitplanken habe ich mich inzwischen schon gewöhnt.

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Aber bereits Kilometer vor dem Kap Sauđanes ist die Qual aber schon vorüber und ich kann gemütlich an der Küstenstraße weiter in Richtung Siglufjörður fahren. Leider komme ich nicht an den Leuchtturm heran; die unbefestigte Straße führt von der Straße 76 in einer sehr engen Kurve steil bergab, so dass ich mir das nicht zutraue, zumal ich mir bewusst bin, diese Strecke auch wieder zurück fahren zu müssen.

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Aber am Rastplatz Útsýnispallur, nur wenige Meter weiter, kann ich den Leuchtturm sehen und in seinem orangefarbenen Anstrich bewundern.

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Dass Isländer auch Tunnel können, habe ich ja schon erleben dürfen. Aber hier auf der 76 und später auf der 82 sind gleich drei Tunnel. Einspurig natürlich mit den notwendigen Møteplassen. Funktioniert ganz gut.

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In Siglufjörður laufe ich ein wenig durch den Ort und habe das Déjà-vu, mir genauso Island immer vorgestellt zu haben: Ein bischen Fischerei, ein bischen Gewerbe und Einzelhandel, ein paar Arbeiterhäuser und ein paar für die Leute mit viel Geld. Dazwischen ein Denkmal von einem Bibel-lesenden Mann, das vermutlich sonst niemand haben wollte sowie einen Hafen mit alten Fischtrawler und Booten, die ihre besten Tage bereits hinter sich haben. Einige von denen werden nie wieder in den Dienst gestellt, denn Fischfang geht heute anders.

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Aber davon wird auch in dem Heringsmuseum von Siglufjörður nichts gezeigt. Dort befasst man sich mit dem Heringsfang des 19. Jahrhunderts/frühen 20. Jahrhunderts.

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Das Museum ist sensationell gut gemacht und gestaltet; vier Gebäude, die sich den Themen Hering widmen: Heringsfang, Heringsfabrik, Salzen und Pökeln, Beschäftigte und ihr Verhältnis rund um den Fisch.

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Alles total interessant und kurzweilig. Allein die große Halle mit zwei alten Fangbooten und mehreren kleineren ist so gut gestaltet, dass man sich selber in eine andere Welt zurückversetzt fühlt. Toll gemacht.

Toll macht sich auch das Wetter am Abend: strahlend blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen. Phantastisch!

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Nach dem Abendessen mache ich noch eine kurze runde durch den kleinen Ort Dalvik. Er ist Verwaltungssitz der Gemeinde Dalvíkurbyggð und hat (laut Wikipedia) rund 1.400 Einwohner.

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Die scheinen aber allesamt um 19:30/20:00 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen oder bereits zu Bett gegangen sein, denn der Ort wirkt wie ausgestorben. Kein Mensch, keine fahrenden Autos. Das einzige Lokal in der Hauptstraße, das auch noch mit Stellschildern für seine Fischsuppe wirbt, hat bereits seit 18:00 Uhr geschlossen. Und in einem anderen Restaurant in einer Nebenstraße sitzen gerade mal zwei Gäste. Das klingt für mich nach „Totentanz“ und sieht auch so aus. Das Rathaus und die öffentlichen Einrichtungen, wie Schule, Sportsplatz und Schwimmbad dagegen strahlen in einem ungeahnten Glanz. Aber beim privaten Eigentum blättert die Farbe – aber gewaltig.

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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Di, 21. Dez 2021, 14:53

21. Tag – 25. August 2021 – Mittwoch

Die Sonne weckt mich mit gewaltiger Kraft. Schon morgens sind es an die 20 Grad. Super – endlich mal wieder richtig im Sitzen und gemütlich frühstücken.

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Ich mache es mir also bequem und lasse mir Zeit – viel Zeit. Ich genieße die Ruhe auf dem Campingplatz, der sich am Abend doch noch gut gefüllt hatte. Aber heute früh sind nur wenige Touristen zu sehen.

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Irgendwann nach dem zweiten Kaffee schaue ich aus einer Eingebung heraus doch mal auf die Uhr und stelle fest: 08:24 Uhr – DU MUSST LOS!!! Denn ich soll um 08:40 Uhr bei der Agentur der Arctic Sea Tours sein. Das sind zwar nur fünf Minuten Fußweg bis dorthin, aber ich muss mich noch warm anziehen, meine Campingmöbel verstauen und das Geschirr zusammen räumen. Aber ich schaffe das – auf den Glockenschlag um 08:40 Uhr bin ich im Büro der Arctic Sea Tours, bei denen ich bereits von Deutschland aus die Whale-Watching-Tour gebucht hatte.

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An Ort und Stelle sind noch 8 weitere Personen und eine junge Frau, die sich später als Tour-Guide zu erkennen gibt, meint, es ginge gleich los. Tat es auch – in Form von zwei Reisebussen mit einer englischen Seniorengruppe.

Nun mussten alle noch in seefeste Overalls und viele von denen auch noch mal vorher auf den Restroom. Immerhin haben sie die lange Anfahrt von Reykjavik bereits hinter sich.

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Aber trotzdem es jetzt deutlich mehr Teilnehmende geworden sind, klappt alles gut und zeitgerecht. Der gesetzte Zeitplan wird fast pünktlich eingehalten. Im Gänsemarsch gehen die farbigen Overalls zum Hafen. Um 09:15 Uhr legt das Boot, ein ehemaliger Walfänger aus Norwegen, von der Pier ab und fährt hinaus aus der Bucht in die offene See. Das allein ist schon super schön bei diesem herrlichen Sommerwetter. 20 Grad und mehr. Dazu nur eine kaum spürbare Brise. Da verläuft die Fahrt ruhig und da wird auch niemanden schlecht.

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Nach einer guten Stunde sind die junge Tour-Guide und der Kapitän im Ausguck und suchen die Wasserlinie ab – irgendwo hier muss er sein: Moby Dick! Aber da hilft auch kein Aufstampfen mit dem Holzbein; der Wal zeigt sich nicht.

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Der Kapitän hat Funkkontakt zur Crew des Speedbootes, die dichter am Geschehen sein sollen, als das „Dickschiff“. Von dort gibt es Signale, der Wal sei auf 11:00 Uhr. Und tatsächlich – ganz plötzlich sind dort eine Fontäne zu sehen und so etwas, wie ein großer Walkörper. Aber alles weit weg.

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Begleitet von den Ansagen der Tour-Guide versucht der Kapitän näher an die Stelle zu kommen, an der der Wal gesichtet wurde. Aber der ist längst abgetaucht. „8 bis 10 Minuten müssen wir jetzt warten“ erklärt die Tour-Guide und der Schiffsführer stellt den Motor auf „kleine Fahrt“. So dümpeln wir auf dem Wasser; bis jemand „Da – auf 02:00 Uhr“ ruft. Alles rennt auf die Steuerbordseite und die Fotoapparate knipsen um die Wette. So schnell, wie diese Aktion begonnen hat, so schnell ist sie auch wieder vorbei. „8 bis 10 Minuten“, kommt wieder als Ansage von der Tour-Guide.

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Und tatsächlich: nach dieser Zeit geht das „Spiel“ wieder los, diesmal auf der Backbordseite. Der Kapitän versucht das Schiff ein wenig zu drehen, damit die Teilnehmenden besser sehen können und die Fluke besser auf’s Bild kriegen, wenn der Wal abtaucht. Das geht immer so schnell, dass man kaum Gelegenheit für das einzig beste Foto hat. Aber egal – ich habe es ja auch so gesehen und fand das schon beeindruckend.

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Nach zwei Stunden gibt es nach der letzten Walsichtung die Ansage, es gehe zurück in den Hafen. Noch eine Stunde Fahrt bei Sonnenschein und ruhiger See. Dazu Zimtkringel und heiße Schokolade. Phantastisch – ein schöner Vormittag!

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Nach der Rückkehr in Dalvik gehe ich zum Camper, räume meinen Kram, den ich morgens so Hals über Kopf hatte stehen lassen müssen, zusammen und koche mir noch einen frischen Kaffee. Jetzt habe ich Zeit. Jetzt stehen keine Termine mehr an.

Aber irgendwann zieht es mich doch weiter – ich fahre nach Akureyri, der zweitgrößten Stadt Islands. Trotz der Größe wirkt alles sehr übersichtlich. Ich parke am Kulturzentrum am Hafen und bin auch schon in fünf Minuten in der Innenstadt.

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Schöne Geschäfte und Cafés und auch schöne Preise. Aber ich brauche nichts. Das einzige, was ich mir kaufe, ist ein Hot Dog am „besten Hot-Dog-Stand von ganz Island“. So jedenfalls hat es ein ehemaliger Arbeitskollege bezeichnet, der hier vor vier Jahren seien Hot Dog gegessen hatte. Und er hat Recht; das „Ding“ ist saulecker!!

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Die Einkaufsstraße rauf und runter und am Hafen den Kindern zusehen, die mit Leidenschaft in das eiskalte Wasser springen. Was so ein paar Sonnenstrahlen alles bewirken.

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Ich weiß, Akureyri hat eine sehr schöne Kirche und einen phantastischen Botanischen Gar-ten. Es kommt jetzt auch Wind auf – Stärke 4 bis 5 und deutlich zu spüren. Es wird frisch. Ich bin froh, dass die Schiffstour am Morgen bei Windstille stattgefunden hat. Wer weiß, ob das am Nachmittag bei dem Wind und dem Wellengang auch so gemütlich gewesen wäre.

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Ich finde, ich habe einen erlebten Tag hinter mir und verlasse Akureyri ostwärts durch den 7,2 Kilometer langen Vaðlaheiðargöng – ein Mauttunnel, dessen Gebühr in Höhe von 1.000 ISK einfach per App bezahlt wird. Eine praktische Lösung.

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Die Sonne bleibt am Abend; der Wind leider auch. So ist es schnell sehr kalt und ungemütlich.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Steffen15 » Di, 21. Dez 2021, 23:15

Sehr schön und der Atlantik sieht ja fast gebügelt aus. Bei solchem Wetter würde ich auch noch mal eine Waltour machen. Meine erste und einzige liegt jetzt 27 Jahre zurück (vor Kaikora, NZ mit einem Speedboot) und mir war Stunden danach noch schlecht... :-?
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Re: Gravelroads

Beitragvon Julindi » Mi, 22. Dez 2021, 12:41

Was für eine herrliche Reise!!! Ich bin restlos begeistert - so viele geniale Fotos, die Landschaft ist ja einfach gigantisch.
Ich bin total beeindruckt, wie viele Dinge du erlebt und wie viel du gesehen hast!!
Wenn ich mal in Island wäre, so würde ich wohl so wie du die "üblichen Verdächtigen" abfahren - und da gibt es ja so viel zu sehen! Und diese Wasserfälle... herrlich - komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus!!
Also wenn Island, dann als Gattung des ganz ganz frühen Vogels, so hat man dann doch Chancen auf etwas Ruhe auch an den Hotspots :D :D
vielen Dank für den Bericht
Reiseberichte mit Fotos auf http://www.ju-cara.jimdo.com
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Mi, 22. Dez 2021, 16:03

Vielen Dank für die netten Rückmeldungen. Ich freu mich, dass mein Beitrag gefällt.
Steffen15 hat geschrieben:Sehr schön und der Atlantik sieht ja fast gebügelt aus. Bei solchem Wetter würde ich auch noch mal eine Waltour machen.

Ja, das war mehr eine Spazierfahrt als eine Walsafari. Und bei dieser Tour blieb das Deck trocken und sauber.
Julindi hat geschrieben:Und diese Wasserfälle... herrlich - komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus!!

Dann ist der heutige Beitrag ganz besonders für dich.

22. Tag – 26. August 2021 – Donnerstag

Es soll heute trocken bleiben – sehr schön. Denn eventuell muss ich heute noch eine kleine Strecke von 4 Kilometern zu Fuß bewältigen, weil die Straße nur für Allradfahrzeuge zugelassen ist. Aber dazu später mehr.

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Ich fahre zum Goðafoss, der mit gewaltigem Getöse und einer riesigen Wucht die Felskante hinunter stürzt.

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Dabei ist dieser „Wasserfall der Götter“ mit seinen 11 Metern gar nicht so hoch. Aber die Breite von 158 Metern und die Naturgewalt lassen ihn groß und mächtig erscheinen. Egal, ob von der West- oder der Ost-Seite

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Daneben der kleine Geitafoss, an dem man die ganze Kraft der Natur hautnah erleben kann. Denn dieser Wasserfall zwängt sich durch eine enge Schlucht, was die Wassermassen nur noch mehr beschleunigt. Der Weg führt dabei ziemlich dicht an diesem „kleine Bruder“ vom Goðafoss vorbei.

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Ich besuche noch den Touristen-Shop und stelle fest: auch hier gibt es nur den altbekannten Touristen-Ramsch, wie überall. Sogar Trollfiguren, wie in Norwegen mit der norwegischen Flagge, kann man hier kaufen. Natürlich mit der Flagge von Island.

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Anschließend wage ich mich wieder auf eine Schotterpiste; der Straße 842, die mit einer Länge von 42 Kilometern von der Ringstraße zum Aldeyjarfoss führt, ein dramatischer 20 Meter hoher Wasserfall mit schwarzen, jahrtausendealten Basaltsäulen, die sich aus Lava gebildet haben.

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Der Wasserfall ist nicht ganz so bekannt und damit eine Art „Geheimtipp“. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die letzten vier Kilometer der Straße als „F-Piste“ ausgewiesen sind und nur mit Allradfahrzeugen befahren werden sollten. Die Versicherer der Autovermietungen in Island schließen eine Nutzung derartiger F-Straßen in der Regel aus. Deswegen findet vermutlich am Aldeyjarfoss auch kein Massentourismus statt.

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Der Bárðardalsvegur von der Ringstraße bis zur besagten F-Piste ist relativ gut zu fahren. Rechte Hand Wiesen und die Hänge des Gebirges, linke Hand die Flußniederung des Skjálfandafljót .

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Vier Kilometer vor dem Ziel versperrt ein Gatter die Weiterfahrt. Dazu kommt der Hinweis, dass es sich ab jetzt um eine F-Straße handelt. Aber wirklich furchteinflößend sieht sie nicht aus. Da es in den letzten Tagen kaum geregnet hatte und die Schotterpiste ausgetrocknet zu sein scheint, beschließe ich, das Abenteuer „F-Piste“ mit meinem Caddy anzugehen. Schließlich soll es nicht gänzlich verboten sein. Und um ein Mietfahrzeug handelt es sich bei meinem Camper auch nicht.

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Der weitere Verlauf der Straße ist schon etwas heftiger; die Straße enger, noch kurviger und teilweise richtig steil. Aber vier Kilometer sind auch im Schritttempo möglich. Besser schlecht gefahren als gut gelaufen.

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Zur Belohnung gibt es dann einen wirklich beeindruckenden Wasserfall.

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Groß, wild, mächtig – so stelle ich mir Wasserfälle im Idealfall vor.

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Dazu die bizarren Formen und Farben der Basaltsäulen im Flußcanyon. Großartig, gigantisch und atemberaubend.

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Zurück nehme ich die Alternativstrecke 844 auf dem Ostufer des Skjálfandafljót, muss aber feststellen, die ist noch schlimmer zu befahren als die 842 auf dem Hinweg.

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Aber irgendwann kommt man von überall an’s Ziel – die Ringstraße.

Am Nachmittag besuche ich schließlich das Ystrafell Auto Museum und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. In mühevoller Klein- und Fleißarbeit hat dort ein Privatmann mit seiner Familie und mit Hilfe von Freunden ein wahres Auto-Paradies geschaffen.

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Sensationell, was dort zusammengetragen und liebevoll restauriert wurde. Aber auch die zigtausend kleinen Dinge sind es, die diese Sammlung so interessant und liebenswert macht.


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Bilder mit alten Aufnahmen von den Beatles, den Stones, Elvis und-und-und. Werbesymbole und –ikonen, wie Esso und Coca-Cola finden ebenso ihren Platz. Einfach nur toll anzusehen.

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Und das Museum bzw. der Hof der Gründer Ingolfur und Kristbjörg Jónsdottir hat noch eine andere Seite – den Autofriedhof auf dem Gelände der ehemaligen Werkstatt und Fahrzeugschmiede.

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Ich dachte immer „Ivanssons Bilskrot“ in Båstnäs/Schweden wäre einzigartig, aber hier im Norden Islands gibt es ein kleines Gegenstück. Absolut sehenswert!

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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Do, 23. Dez 2021, 15:37

23. Tag – 27. August 2021 - Freitag

Der Mývatn im Nordosten Islands ist der viertgrößte See des Landes und befindet sich im Bereich des Kafla-Vulkangebietes. Das spürt und sieht man auch rund um den See, der selber 37 qkm groß ist und eine durchschnittliche Wassertiefe von 2,5 Metern aufweist.

Seinen Namen macht der Mývatn jetzt im Sommer alle Ehre, denn es schwirren Millionen von kleinen Fliegen und Mücken in der Luft. Diese Mücken stechen zwar nicht, sind aber trotzdem unangenehm, wenn sie dauernd um einen herum fliegen.

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Gleich bei meiner ersten Station ist deutlich erkennbar, dass man sich hier auf große Touristenmassen eingestellt hat. Großer Parkplatz und das Gebiet ist voll erschlossen. Gehwege, Einzäunungen, Wegweiser und Hinweisschilder. Und kaum habe ich das wahrgenommen kommt auch schon der erste Ansturm in Form von Bus-Ausladungen. Ich bin gerade auf dem Parkplatz bei den Pseudokrater Skútustaðagígar als ein Reisebus heranfährt und seine Ladung ins Freie lässt. Die Teilnehmenden stürmen die Infotafel, machen ein Bild davon und sind auch schon auf dem Pfad zu den Pseudokratern.

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Ich verziehe mich erst einmal und mache eine Station weiter einen Spaziergang um die kleine Halbinsel Höfði. Auf gut befestigten Wegen geht an durch einen kleinen Park, der jetzt im Sommer an manchen Stellen beinah schon wie ein Dschungel wirkt.

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An drei/vier Stellen kann man sehr gut auf den Mývatn blicken und dabei interessante Felsformationen bestaunen.

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Der Spaziergang ist zwar schön, aber mein Resultat lautet: Kann man machen – muss man aber nicht.

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Dann schon lieber gleich die bizarren Formationen und Lavafelder Dimmuborgir.
Auch hier super gut angelegte Spazierwege mit unterschiedlichen Entfernungen und Schwierigkeitsgraden.

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Ich hatte mich im Vorfeld schon entschieden und gehe ein Stück durch das Lavafeld und setze dann meinen Weg zum Aschekrater Hverfall fort; eine Wanderung, die ich aus dem Wanderführer eines bekannten Verlages habe.

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Die Strecke ist weitgehend schön und nach 2,2 Kilometern stehe ich am Fuß des Kraters. Vor mir steht ein irre hoch wirkender Berg. Höhenunterschied an der Stelle etwa 140 Meter. Ich komme mir vor wie ein Zwerg.

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Zur Spitze hinauf gelangen an dieser Stelle nur die ganz Wagemutigen, für alle anderen wird empfohlen, den Aufstieg weiter nordwestlich aus zu wagen. Dort gibt es auch eine Zufahrt und einen Parkplatz.
Ich gehe noch eine Zeitlang um den Berg herum, breche dann aber ab, weil ich nach insge-samt 3 Kilometern kein Ende sehe. Denn schließlich muss ich den Weg auch wieder zurück.

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Nach 45 Minuten bin ich wieder im Lavafeld Dimmuborgir und mache dort noch die „große Runde“ bis zur so genannten „Kirkje“, eine Höhle in der Felsformation mit einem großen Bogen. Nicht schlecht, aber sensationell würde ich das nicht nennen, was die Natur dort geschaffen hat.

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Aber ich will jetzt das Lava-Gebiet Dimmuborgir nicht klein reden – das ist schon etwas ganz Besonderes und Einmaliges. Man sollte es bei einem Islandbesuch nicht auslassen.

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Ebenso auch nicht den Hverfall, dessen Besteigung ist schließlich doch noch unternommen habe. Und zwar auf direktem Weg, wie es die meisten Island-Touristen tun. Mit dem Auto die vier Kilometer Schotterpiste für die Anfahrt und dann schön vom Parkplatz aus bergan.

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Das ist mühsam, aber gut zu schaffen. 300 Meter lang ist der Weg und auf dieser Strecke müssen 90 Höhenmeter überwunden werden. Ich habe jetzt nicht ausgerechnet, welche Steigung das ist, aber mit einem Pkw würde ich das nicht mehr fahren.

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Ohne groß darüber nachzudenken gehe ich einfach den Berg hoch – Schritt für Schritt und Meter für Meter.

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Auf dem „Gipfel“ bläst ein heftiger Wind, der mich fast umhaut. Aber die Aussicht ist großartig. Ich könnte jetzt links oder rechts herum den Kraterrand abwandern. Das soll laut Wanderführer ungefähr eine halbe Stunde dauern. Aber ich erspare es mir, mehr und besser sehen kann man von den anderen Punkten einer Rundwanderung vermutlich auch nicht – meine ich.

Der Hverfall ist, so sagt es Wikipedia, vor etwa 2.500 Jahren durch eine gewaltige Wasser-dampfexplosion entstanden, als heiße Magma auf Grundwasser stieß. Am Rande einer mächtigen Wasserdampfsäule, in der nichts absinken kann, rieselte vulkanisches Lockermaterial, oder – wie ich sagen würde – Sand herab, dass diesen Ring von 1 Kilometer Durchmesser und 90 bis 150 Meter Höhe bildete.

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Mit persönlich reichen die 90 Meter, die ich dann auch gerne wieder hinabsteige. Dabei fällt mir natürlich auf wie weich bzw. sandig der Boden ist. Man sinkt immer ein ganz klein wenig ein. Außerdem staubt es mächtig bei jedem Schritt.

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Schneller als gedacht bin ich wieder am Fuß des Kraters und fahre die Schotterpiste weiter bis zur unterirdischen heißen Quelle Grjótagjá.

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Bis vor wenigen Jahren wurde dieser unterirdische Hot Pot auch noch regelmäßig genutzt. Aber aufgrund vulkanischer Aktivitäten und aufgrund von Sicherheitsvorkehrungen vor herabfallendem Gestein ist die Nutzung der „Bäder“ inzwischen verboten.

Unmittelbar neben der heißen Quelle klafft die Erde ein gutes Stück auseinander – eine Spalte im Gestein und Erdreich von ungeahnter Dimension. Sehenswert.

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