Gravelroads

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Re: Gravelroads

Beitragvon syltetoy » Do, 23. Dez 2021, 19:21

Was du alles erlebt hast, ich bin wirklich überwältigt ……in das Automuseum hätte deine Reisekugel auch gut gepasst ;)
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Re: Gravelroads

Beitragvon skandinavian-wolf » Do, 23. Dez 2021, 20:25

Du schreibst:
Vier Kilometer vor dem Ziel versperrt ein Gatter die Weiterfahrt. Dazu kommt der Hinweis, dass es sich ab jetzt um eine F-Straße handelt. Aber wirklich furchteinflößend sieht sie nicht aus. Da es in den letzten Tagen kaum geregnet hatte und die Schotterpiste ausgetrocknet zu sein scheint, beschließe ich, das Abenteuer „F-Piste“ mit meinem Caddy anzugehen. Schließlich soll es nicht gänzlich verboten sein. Und um ein Mietfahrzeug handelt es sich bei meinem Camper auch nicht.

Ich bin noch beim Planen aber eher (zu) vorsichtig!?
https://guidetoiceland.is/de/island-blog/5439/entspannt-euch-autofahren-in-island:
Es gibt Straßen, für die ist zwingend Allradantrieb vorgeschrieben! Und wenn solch ein Schild (4x4) am Straßenrand einmal auftaucht, dann steht das auch wirklich nicht zum Spaß da. Das ist ernst gemeint! Wer sich nicht daran hält, verliert nicht nur jeden Versicherungsschutz, sondern riskiert bei einem Schaden am Fahrzeug mit austretenden Betriebsflüssigkeiten, auch eine massive Schädigung der Umwelt. (Sämtliche Kosten werden dem Fahrer in Rechnung gestellt.) Darüber hinaus erwartet den Fahrer noch eine hohe Strafe, wegen des Verstoßes gegen die Verkehrsregeln. Derzeit wird das Einhalten der "4x4-Pflicht" verstärkt durch die Polizei und die Umweltbehörde kontrolliert. Die Autovermieter geben immer (!) an, ob ein Fahrzeug für das Hochland zugelassen ist oder nicht. Und das sind Allradfahrzeuge.

Habe leider nicht gesehen, von wann dieser Blogeintrag ist.
Danke für die Runde um den Mückensee. Hilft mir auch beim weiteren Planen.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Do, 23. Dez 2021, 21:00

skandinavian-wolf hat geschrieben:Ich bin noch beim Planen aber eher vorsichtig!

Mir war völlig klar, dass ich bei diesen 4 Kilometern gegen jegliche Regelungen verstoße. Aber die Aussicht, nicht laufen zu müssen und schnell ans Ziel zu gelangen, war größer als jeder Zweifel. Aber schön, dass du noch mal ausdrücklich auf die Regelungen und Folgen hinweist. Denn mein Frevel sollte nicht zur Nachahmung auffordern.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Binou » Do, 23. Dez 2021, 22:46

Zur Ergänzung: Wenn ich das Schild genau lese und übersetze, steht dort, dass nur 4x4 Jeeps und keine 4x4 passenger cars zugelassen sind!
Die Frage ist, wie wird ein Jeep von einem Passenger car unterschieden?
Beste Grüße
Sybille

Bleibt gesund!
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Re: Gravelroads

Beitragvon Mainline » Do, 23. Dez 2021, 23:20

Wenn ich mich recht erinnere sind diese Schilder als Hinweis für die zahlreichen Mietwagenfahrer gedacht. Vielleicht steht im Mietvertrag Passenger Car?

Ich hätte es mit eigenem Fahrzeug genauso gemacht wie Martin und die F Straße befahren. So lange du nicht stecken bleibst oder dich festfährst wird das keinen Interessieren. Außerdem gibt es den Caddy ja auch als 4motion, also müsste jemand unter das Auto schauen und die Antriebswelle kontrollieren :D

Danke für die Fortsetzung.

Viele Grüße
Gerhard
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Fr, 24. Dez 2021, 10:27

24. Tag – 28. August 2021 – Sonnabend

Ich breche heute sehr früh auf, weil ich bereits von zu Hause aus eine Bustour ins Hochland gebucht hatte. Abfahrt 08:00 Uhr und bis zum Meeting Point des Veranstalters muss ich noch gut 2,5 Kilometer gehen. Denn ich lasse mein Auto auf dem Campingplatz, vor allem um mir den guten Platz zu sichern. Der Campingplatz am Mývatn ist am Abend brechend voll. Kann ich gut verstehen, denn in unmittelbarer Umgebung oder dem so genannten „Diamond Circle“ gibt es jede Menge Sehenswürdigkeiten.

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Ich gehe also um kurz nach 07:00 Uhr los und bin rechtzeitig beim Veranstalter. So nach und nach treffen auch die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, so dass der Bus pünktlich um 08:00 Uhr startet.

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Zunächst geht es noch ein Stück auf der Ringstraße, bis der Bus dann nach ca. 30 Minuten auf die Hochlandstraße F 88 abbiegt. Von hier soll es jetzt unmittelbar zum Vulkan Askja gehen.

Der Askja ist ein typischer Caldera-Vulkan (Einsturzkessel) und sogleich eines der größten Vulkan-Systeme Islands. Er liegt im isländischen Hochland und hat eine Höhe von über 1.500 Metern. Bis zum größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull, sind es nur wenige Kilometer in südlicher Richtung.

Von dem Abzweiger der F-Piste an der Ringstraße bis zum Vulkan sind es 100 Kilometer. Das bedeutet natürlich auch 100 Kilometer Gravelroad vom Feinsten. Und am Nachmittag auch wieder 100 Kilometer Gravelroad zurück. Das einzig anstrengende bei dieser Unternehmung.

Der Bus fährt durch die größte unberührte Wüstenlandschaft Islands, über schwarze Sandebenen und durch weiße Bimssteinwildnis, unwirklich fremdartig und zugleich faszinierend.

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Auf dem Hinweg bin ich noch geflasht von den verschiedenen Formen und Farben der Lavalandschaften, von der Sand- und Steinwüste bis zu bizarren Lavafeldern, die kein Ende nehmen wollen.

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Unterwegs muss der Bus dreimal furten, das heißt, Bach und Flussläufe durchqueren. Sieht jedes Mal schlimmer aus als es ist, denke ich. Ein Erlebnis ist es aber allemal.

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Auf dem Hinweg hält der Bus bei dem kleinen, hübschen Wasserfall Gáski, nachdem er zuvor durch den Fluss Grafarlandaá gefahren war. Bei dieser Pause konnte ich sehen wie es aussieht, wenn ein Auto durch den Fluss fährt.

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Nach kurzer Pause geht es weiter durch ein sehr unwegsames Lavafeld und noch einmal durch zwei Flüsse, bis es erneut eine kleine Pause an der Oase Herðubreiðarlindir gibt. Im Hintergrund der majestätisch wirkende Tafelvulkan Herðubreið mit seinen über 1.000 Metern Höhe.

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In der Oase vereinigen sich die Quellen, die an vielen Stellen aus dem Lavafeld dringen, zu dem Fluß Lindaá und ermöglichen einen prächtigen Pflanzen- und Blumenwuchs mitten in der vulkanischen Wüste.

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So überraschend wie diese Oase inmitten einer Lavawüste, so überraschend erscheint mir auch der Wasserfall Gljúfrasmiður, wo sich der Fluß Jökulsá á Fjöllum eine imposante Schlucht gegraben hat und sich nun brausend und schäumend durch die Basaltwände drängt.

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Wir fahren weiter nach Süden und kommen in die Gegend, wo auf dem Bimssteinfeld die Raumfahrer der NASA 1967 vor ihrer Mondfahrt in der Wüste trainiert haben.

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Am frühen Nachmittag ist das Ziel des Tages, der Parkplatz Vikraborgir, von dem es dann zu Fuß weitergehen kann, erreicht. Also: Alle aussteigen und ab in die Vulkanwüste und in den Wind.

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Über einen markierten Fußweg geht es jetzt in gut einer halben Stunde zum Kratersee Öskjuvatn und zu seinem kleinen Bruder, dem Krater Viti; zweieinhalb Kilometer vom Parkplatz entfernt. Die Strecke ist aber gut zu schaffen und aufgrund des schwarzen Lavasandes spektakulär. Störend ist nur der Wind, der hier auf über 1.000 Metern deutlich zugenommen hat.

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Der See liegt in der Caldera des Vulkans Askja. Er entstand ebenso wie der benachbarte Víti-Krater bei einer gewaltigen Vulkanexplosion im Jahre 1875. Der Öskjuvatn hat eine Fläche von 11 qkm und ist mit über 220 Meter der tiefste See Islands.

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So großartig der Öskjuvatn auch ist, so anziehend ist der klein Bruder, der Viti-Krater, der die Besucherinnen und Besucher im 22 bis 24 Grad warmen schwefelhaltigem Wasser zum Baden einlädt.

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Ich selber habe die Wassertemperatur im Viti nicht getestet. Ich hatte zwar Badezeug dabei, aber der Ab- und Aufstieg am steilen Kraterrand war mir dann doch zu unwegsam bzw. zu anstrengend.

Aber es gab Reisende, die den Sprung in das warme Wasser gewagt und genossen haben.

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Der Aufenthalt am Askja dauert zweieinhalb Stunden – Zeit genug, um dieses einzigartige Naturschauspiel zu bestaunen.

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Auf dem Rückweg hält der Bus noch für dreißig Minuten an der Schlucht Drekagil; das gibt den Teilnehmenden die Gelegenheit, die bizarre Felsformationen zu erkunden und dem Busfahrer und Reiseführer die Möglichkeit für Kaffee und Kuchen in der Touristeninformation.

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Danach ging es auf direktem Weg und ohne Zwischenstopp zurück nach Reykjahlíð. Alle Teilnehmenden waren müde und von den Erlebnissen des Tages geschafft. Außerdem hatten die vulkanische Einöde und die verschiedenen Lavafelder ihren Charme des Neuen, des Unbekannten, verloren. Mit anderen Worten: Alle wollten nur noch nach Hause bzw. zurück.

Aber 100 Kilometer Gravel sind 100 Kilometer, die nicht so schnell und nicht so einfach zu schaffen sind. Der Busfahrer tat sein Bestes, der Tourguide uns nicht mehr mit Geschichten und Anekdoten vollgetextet, wie auf dem Hinweg, so dass alles doch sehr zügig ging. Um 19:00 Uhr waren wir wieder zurück am Ausgangspunkt.

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Ein erlebnisreicher Tag – und ein anstrengender dazu.

Zum Abend dreht der Wind noch einmal kräftig auf; es wird kalt – richtig kalt. Aber mit der Heizung im Camper bleibt es kuschelig und schön. Trotzdem schlafe ich früh ein.

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Ich wünsche allseits "Frohe Weihnachten"
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Sa, 25. Dez 2021, 17:55

25. Tag – 29. August 2021 – Sonntag

Ich hätte nicht gedacht, im Sommer und frühmorgens um 07:00/07:30 Uhr bereits mit einer dicken Jacke herum zu laufen, zu frühstücken und mich reisefertig zu machen. Aber die Temperaturen am Mývatn sind auf einen einstelligen Wert gefallen und der eiskalte Wind verschlechtert die Situation nur noch. Aber egal – so weiß ich halt, warum ich warme Klamotten mir nach Island genommen habe.

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Um kurz nach 08:15 Uhr starte ich in die Fortsetzung meiner Rundreise.
Mein erster Besuch gilt dem Geothermalgebiet Hverarönd, bekannt für sprudelnde Schlammbecken & dampfende Fumarolen, aus denen Schwefelgas austritt. Auf dem Weg dorthin komme ich an dem „Blue Lake“, dem „blauen See“ vorbei, der mit seinem milchigen Hellblau schon sehr auffällig ist. Ich stehe am Ufer, lese die Hinweisschilder „Nicht baden“ und spüre die Wärme.

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Im Internet finde ich nicht viele Informationen, sondern den Hinweis, dass der See künstlichen Ursprungs ist von vom dem am gegenüberliegenden Ufer genutzt wird.

Nur wenige Meter von der Ringstraße entfernt liegt der Parkplatz zum Geothermalgebiet. Auf dem Schild am Parkplatz wird das Gebiet “Námafjall / Hverir” genannt. Direkt am Parkplatz steht eine hölzerne Plattform, von der aus wir das gesamte Gebiet überblicken können.

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Es riecht nach Schwefel und überall blubbert modriger Schlamm in irgendwelchen kleinen Kratern. Unter meinen Füßen spüre ich die Wärme der Erde und um mich herum sind Schlammtöpfe, Fumarolen und Solfataren, die gerade in dem orangefarbenen Erdreich besonders fremdartig wirken.

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Die Wärme des Geothermalgebietes kann leider gegen die Kälte des Morgens und des Windes nur wenig ausrichten. Mit Winterjacke, Mütze und Handschuhe stapfe ich durch diese unwirkliche Welt. Man soll auf den markierten Wegen bleiben, Absperrungen beachten. Aber diese Absperrungen sind so gesetzt, dass das gesamte Gebiet sehr weitläufig bleibt. In schmalen Bachläufen fließt kochend-heißes Wasser und hinterlässt wellenartige Strukturen.

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Den Aufstieg zum Námafjall erspare ich mir; bei diesem stürmischen Wind und den niedrigen Temperaturen macht es mir keinen Spaß.

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Nach einem kurzen Besuch am rauchenden Schlot des Sulfuric Smokers, dessen Dampf stark nach Schwefel riecht, beende ich meine Tour in dieser „Hexenküche“ und mache mich auf den Weg zum Kratersee des Vulkans Krafla.

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Vom Parkplatz des Kratersees ist man schnell auf dem Rand der Caldera, die man dann fast umrunden kann. Leider gibt es Absperrungen. Aber ich habe einen schönen Blick auf das hellblaue Wasser des Sees und natürlich auch auf die Umgebung.

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Auf dem Rückweg schaue ich noch kurz auf das Geothermal-Kraftwerk, aus dessen Rohren und Schloten der Wasserdampf quillt.

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Aber die ganze Geothermik bringt mir keine Wärme und der Wind ist wirklich eiskalt. Also schnell ins Auto, Heizung an und weiter zum Dettifoss.

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Der Dettifoss ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Island und gilt als der mächtigste Wasserfall in Europa. Er ist 100 Meter breit und stürzt 45 Meter in die Jökulsárgljúfur-Schlucht hinab. Der durchschnittliche Wasserfluss beträgt rund 200 m³ pro Sekunde.

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So ist es nicht verwunderlich, dass der Fossen gut besucht ist; und zwar auf der Westseite, von der aus ich die Wassermassen bestaune, als auch auf der Ostseite, wenn man über den mächtigen Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum schaut. Für die Besucherströme wurde eigens die Straße 862 neu asphaltiert und kann super gut befahren werden. Auf der Ostseite führt die noch unbefestigte Straße 864 zum Wasserfall.

Von einem riesigen Parkplatz führt ein klar gekennzeichneter und gut hergerichteter Fußweg 1,5 Kilometer bis zum Wasserfall. Schon von Weitem hört man das Tosen.

Beim Anblick des Wasserfalls verschlägt es mir die Sprache – der Dettifoss ist gigantisch, atemberaubend und auch einschüchternd.

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Gewaltige Massen von Wasser, Geröll und Schlamm stürzen über die Kante in die Tiefe. Die Erde um einen herum scheint zu Beben. So gewaltig wirkt dieser Wasserfall. Und mir stellt sich beim Anblick immer wieder die Frage, „Wie lange reicht das Wasser noch“?

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Aber der Dettifoss wird gespeist von dem Schmelzwasser des nördlichen Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas. Und solange es diesen Gletscher gibt, solange wird es auch Wasser und den Dettifoss geben.

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Etwas weiter flussaufwärts, aber ebenfalls in diesem Canyon, der vom Fluss Jökulsá á Fjöllum gespeist wird, befinden sich der ebenfalls beeindruckende Selfoss mit einer Fallhöhe von 10 Metern. Allerdings ist dieser Wasserfall eher eine Ansammlung vieler einzelner Wasserfälle, die eng nebeneinander hinabstürzen.

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Ohne ein Gespür für Zeit und Raum verbringe ich eine Ewigkeit an diesen beiden Wasserfällen. Den dritten in der Reihe, den Hafragilsfoss spare ich für meinen nächsten Besuch in Island und fahre stattdessen weiter bis zu Canyon Ásbyrgi etwas weiter nördlich. Die hufeisenförmige Schlucht ist Teil des Jökulsárgljúfur-Nationalparks. Vor Jahrtausenden floss hier die Jökulsá á Fjöllum, der sich inzwischen weiter östlich ein neues Flussbett gegraben hat.

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Ich fahre innerhalb des Canyons bis zu Spitze, dort gibt es eine kleine Spaziermöglichkeit bis zu einem Teich, in dem sogar fünf Wasservögel schwimmen. Von zwei Aussichtsplattformen kann man die Ausformung der steinernen Felsen beschauen und dann sich noch Ratschläge und Informationen in einem Besucherzentrum holen.

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Die hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi entstand noch Vulkanausbrüchen vor 4.000 und 3.000 Jahren sowie der bereits erwähnten Verlegung des Flusses Jökulsá á Fjöllum. Bei den Isländern gelten das Felsmassiv sowie die Landschaft innerhalb des Hufeisens als Hauptstadt der Elfen.

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Obwohl ich vom Wetter und vor allem von den heftigen Winden etwas angespannt und lustlos bin, mache ich noch eine kleine Wanderung auf die Felseninsel Eyjan, mitten im Hufeisen.

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Sowohl am Fuß des Bergmassivs als auch oben auf der Ebene finde ich Blaubeeren in Hülle und Fülle. Ich esse so viel ich mag, muss aber feststellen, für die richtige Reife fehlen noch ein bis zwei Wochen.

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Den Abend bzw. die Nacht verbringe ich wieder am Meer bzw. einem phantastischen Blick auf das Nordmeer, knapp unterhalb des Polarkreises auf 66.12 Grad North.

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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » So, 26. Dez 2021, 17:10

26. Tag – 30. August 2021 – Montag

Ein perfekter Campingplatz am Meer mit Sonnenuntergang am Abend und Sonnenaufgang am Morgen – wie bestellt!

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Auch der Sturm hat nachgelassen. Die Temperaturen sind schnell wieder auf 14 Grad geklettert und so lässt es sich gut aushalten.

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Mein erster Weg am Morgen führt mich zum Leuchtturm Tjörnes; ich konnte ihn vom Campingplatz aus schon am Abend im Leuchten des Sonnenuntergangs sehen.

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Aber leider gibt es keinen Zugang oder einen Parkplatz an der Straße 85, um zu Fuß bis zum Leuchtturm zu gehen. Schade – also fahre ich weiter nach Raufarhöfn bzw. zunächst bis zum Leuchtturm Hraunhafnartangi an der Nordspitze Islands. Die Strecke ist mal wieder gigantisch schön.

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Ich komme bis zu dem Fischerort Kópasker und breche wenige Kilometer hinter dem Ort die Weiterfahrt ab. Gravel – 45 Kilometer Gravel! Nee, darauf habe ich jetzt keine Lust, zumal diese Schotterpiste wieder mal im Waschbrettstil ausgeprägt ist.

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Ich fahre zurück und über die Straße 85 nach Raufarhöfn. Eine gut ausgebaute Strecke mit Steigungen, Gefällen und zahlreichen Kurven, die aber allesamt diesen Straßenabschnitt interessant machen. Verbunden mit den hohen und steilen Bergen sowie dem Meer ist das eine phantastische Strecke.

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Ich bleibe aber nicht im Ort, sondern fahre direkt zum Monument „Arctic Henge“, das der mystischen Darstellung der Mitternachtssonne dient.

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Das Kunstwerk besteht aus sechs mächtigen steinernen Felstoren, von denen zwei in der Mitte zusammengestellt sind und die vier weiteren in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Das Mitteltor ist elf Meter, die Steintore sind jeweils sechs Meter hoch und nehmen Bezug auf das Monument „Stonehenge“ in England. Vom Südtor durch das Mittel- und Nordtor blickend, lässt sich bei gutem Wetter die Mitternachtssonne sehen.

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Im Grunde genommen ist das Monument oder auch mit angeblicher Unterstützung der Zwergenwelt geschaffene Kunstwerk ein Touristen-Gag, weil der kleine, rund 150 Seelen zählende Ort sonst nichts zu bieten hat.

Aber so ganz stimmt das auch nicht. Der Leuchtturm ist klein aber fein und zumindest einen Fototermin wert.

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Ebenso wie die Raufarhafnarkirkja, eine Steinkirche, die 1928 gebaut wurde. Sie liegt auf dem Weg zum Leuchtturm.

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Ansonsten ist der kleine Ort eher still und unauffällig. Wäre da nicht noch der alte Chevrolet, der aufgemotzt am Straßenrand zu finden war und dessen Garage auch noch einen Range Rover aus alten Zeiten daneben gestellt hat.

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Auf dem Rückweg – es geht immer noch über die 85 – mache ich meinen geplanten „Nachmittagsspaziergang“ auf der Halbinsel Rauðanes. Eineinhalb Kilometer von der Hauptstraße entfernt befindet sich ein kleiner Wanderparkplatz, von dem eine fantastischen Wanderung zu faszinierenden Basalttürmen und –toren abgeht.

Der Weg ist gut markiert und nach dem ersten Kilometer sieht man schon die ersten faszinierenden Formationen im Wasser.

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Nach jeder Schleife oder Kurve, die der Wanderweg macht, werden die Erlebnisse immer besser. Ich denke unterwegs hin und wieder daran, doch umzudrehen, aber dann erblicke ich ein noch schöneres Felsmonument oder Basalttor.

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Das geht ungefähr 3,5 Kilometer so, bis man an einem grasbewachsenen Felsen ankommt, auf dem vom Frühjahr bis Mitte August die Papageitaucher brüten und ihre Jungvögel aufziehen, bevor sie dann für den ganzen Herbst und Winter auf dem offenen Meer sind.

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Der Rückweg ist zunächst sehr einfach und führt über eine Wiesen- und Heidelandschaft. Aber irgendwann reißen die gesetzten Markierungen ab und der weitere Weg wird unübersehbar. Das ist ärgerlich, denn bis zu den Highlights war dieser Wanderweg gut ausgeschildert und zu finden.

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Der Empfang mit dem Smartphone ist schlecht bis gar nicht vorhanden, so dass ich einfach drauf los laufe, in der Hoffnung, einen Weg zu finden. Das gelingt mir schließlich auch und nach insgesamt 8,13 Kilometern bin ich wieder an meinem Auto und habe damit nur einen kleinen Umweg gemacht. Denn der Wanderführer hatte 130 Meter weniger auf dem Zettel.
Aber trotz dieser kleinen Schwierigkeit war es eine schöne und abwechslungsreiche Wanderung, die richtig Spaß gemacht hat. Empfehlenswert.

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Weniger empfehlenswert, aber nahezu alternativlos, ist der kommunale Campingplatz in Þórshöfn. Ortsrandlage, wo „Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen“ auf einer schlecht gestylten Wiese. Zwei Toiletten links, zwei Toiletten rechts. Zwei Duschen rechts – links keine. Wasser (mit Ausnahme der Bezahlduschen) nur kalt. Und damit das auch jeder begreift, sind die Warmwasserhähne an den Waschtischen abmontiert.

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Na ja, in diese Ecke Islands sind Campingplätze rar – da nimmt man, was zu finden ist.

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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Mo, 27. Dez 2021, 13:01

27. Tag – 31. August 2021 – Dienstag

Heute war der Tag alles andere als „erfolgreich“ – irgendwie war alles schon in Nachsaisonstimmung. Ich vielleicht auch – oder ich war in Gedanken schon zu Hause.

Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Der Wind hatte nachgelassen, die Sonne kam gegen 08:00 Uhr aus den Wolken und versprach einen sonnigen Tag. Das sollte auch so bleiben, allerdings wurde zum Mittag der Wind recht stürmisch.

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Ich hatte mir vorgenommen, heute einen Tag der „Lost places“ zu gestalten; ein altes Flug-zeug, eine Geisterstadt und ein Museum. Aber bis auf das alte Flugzeug und eine alte Kirche war alles nicht verfügbar.

Die Sauðaneskirkja auf der Halbinsel Langanes wurde bereits 1889 gebaut und war eine der abgelegensten Kirchen Islands. Baumaterial ist Holz, das Dach ist aus Wellblech. Die Kirche wird seit 1999 nicht mehr für Gottesdienste genutzt, sie steht aber unter Denkmalschutz.

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Anschließend fahre ich zu einer Hofstelle etwas weiter nördlich, schaue mich dort ein wenig um, kann aber keine Menschen entdecken. Da kommt mit großer Geschwindigkeit ein Golf IV den Langanesvegur herunter, fährt auf den Hof und hält direkt vor mir. Der Fahrer muss mich vom Wohnhaus nebenan gesehen haben. Ich erkläre, wer ich bin und was ich will und frage, ob es in Ordnung ist, wenn ich das alte Flugzeug, das auf der Koppel steht, besichtige und ein paar Fotos mache. Das ist in Ordnung, ich möchte nur noch an der nächsten Scheune parken, wird mir gesagt. Und so schnell, wie der Mann in dem Golf heran gerauscht ist, so schnell ist er auch wieder weg.


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Ich fahre also zu dieser Scheune. Dort finde ich sogleich ein Schild, dass sich das Flugzeug auf Privatgelände befände und die Region Brutplatz für viele Vögel sei. Nun, die Brutzeit ist jetzt im August vorbei und ich gehe über das alte Rollfeld, an deren Seite man immer noch die Markierungen für Start und Landung findet.

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Mein Spazierweg endet an einem Gatter, gut zu übersteigen und dann in wenigen Minuten weiter bis zu einem Flugzeugwrack.

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Das ganze Gelände gehörte zum Þórshafnarflugvöllur, einer kleinen Landebahn, um im Innerflugverkehr den Nordosten Islands zu erreichen. Er wurde bis 1992 betrieben und an einen neuen Standort verlegt.

Im Juli 1969 wurde eine Douglas R4D der United States Air Force bei einem Unfall auf dem Flughafen irreparabel beschädigt. Die Maschine flog mit Vorräten und Post aus Reykjavik als plötzlich Seitenwinde dem Flugzeug schwer zu schaffen machte. Das wurde durch die schlechte Qualität der Landebahn nicht besser so dass der Pilot schließlich die Kontrolle über das Flugzeug verlor. Ergebnis: Irreparabler Schaden am Fahrwerk. Das Flugzeug wurde schließlich liegen gelassen, die Flügel 1996 entfernt, und dient heute als Unterstand für die Tiere des Landwirts.

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Vor Ort habe ich Zeit und kann – ohne fremde Touristen – meine Fotos machen. Auch die Pferde auf der Koppel lassen sich von mir nicht stören.

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Danach gehe ich ein wenig am groben Kiesstrand zurück und staune über die unendlich große Menge an Treibholz, das hier ans Ufer gespült wurde.

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Viele von den großen und dicken Hölzern werden wieder benutzt und weiter verarbeitet, denn ich sehe an der Scheune eine große Kreissäge, daneben ein Stapel mit geschnittenen Hölzern, die vermutlich als Zaunpfähle dienen sollen.

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Bis hierher war mein Morgen perfekt. Denn ich hatte zunächst große Zweifel, ob ich bis zum Flugzeugwrack gehen könnte oder ob mir der Zugang verwehrt bleibt. Hat ja gut geklappt und mit Fragen kommt man überall weiter – meistens jedenfalls.

Ich mache mich weiter auf den Weg nach Skálar, einer alten Fischersiedlung im Nordosten der Halbinsel Langanes. In meiner Straßenkarte ist der Ort bereits in Klammern gesetzt. Denn diesen Ort gibt es eigentlich nicht mehr. Nach seiner Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Betrieb der Fischverarbeitung nach und nach weniger und schließlich 1948 ganz aufgegeben – mit Mann und Maus. Bilder im Internet zeigen, wie es heute dort ausschaut.

Ich selber komme leider nicht bis dorthin, obwohl ich bereit war, 40 Kilometer Schotterpiste in Kauf zu nehmen. Aber nach 8 Kilometern komme ich an das Schild „Allrad“! Keine Chance bzw. keine Lust, mich einen Tag vor meiner Abreise noch in Schwierigkeiten zu bringen. Man soll das Glück auch nicht herausfordern.

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Die 8 Kilometer Gravelroad geht’s zurück und weiter auf der Route 85. Für mich zählt diese Straße 85 von Kópasker im Westen bis hin zu Ringstraße im Südosten zu einer der schönsten Landschaftsrouten Islands. Schroffe Klippen im Norden und später sanfte Hügel im Osten und Süden. Überall Wasser und Berge und eine gut ausgebaute Straße. Es fehlen nur noch die besonders gestalteten Rastplätze wie in Norwegen – dann wäre die Sache perfekt.

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Mein Alternativziel statt der „alten Stadt am Meer“ heißt jetzt Selárdalslaug, also Schwimmbad und Hot Pot in Hámundarstaðir. Eine schöne Mittagspause in der „Heißen Wanne“! Doch auch das ist mir nicht vergönnt. Bereits bei der Einfahrt von der 85 zeigt ein Schild unmissverständlich „Closed“. Na klasse – dabei hätte mich das Bad richtig aufheitern können.

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Also ungebadet weiter – mein Ziel ist das Museum Bustarfell, ein ehemaliger Hof aus Torf und Grasdächern wie Glaumbær.
Dort angekommen erfahre ich, dass das Museum erst in einer Stunde öffnet. Ich kann zwar um die sechs Häuser herum gehen, in die Schmiede und eine alte Kammer hineinschauen, aber mehr ist nicht drin.

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Ich will nicht warten und fahre zu meinem Nachtquartier, dem ehemaligen Bauernhof Möðrudalur. Er liegt etwa in der Mitte zwischen Egilsstaðir im Osten und dem Mývatn im Westen. Mit 469 Metern ü. M. ist er der am höchsten gelegene noch heute ständig bewohnte und bewirtschaftete Hof des Landes. In der Hauptsaison gibt es einen Informations- und gastronomischen Versorgungsbetrieb für Besucher, Touristen und Übernachtungsgäste.

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Die Location ist sehr schön und mit ihren Torfhäusern liebevoll gestaltet. Die kleine Kirche von 1949 hat der damalige Landwirt selber gebaut. Der zur Anlage gehörende Campingplatz macht einen sehr guten Eindruck; die sanitären Anlagen sind neu und sehr gut.

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Weniger gut ist natürlich der Wind, der hier auf der Hochebene heftig, sehr heftig pustet. Bei so mancher Böe wird sogar das Auto geschüttelt. Verständlich, dass da ein Campen vor der Tür nicht möglich ist.

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Na ja, nun hatte ich in den letzten vier Wochen verdammt viel Glück mit dem Wetter in Island, da werde ich auch noch eine etwas stürmische Nacht aushalten. Schließlich scheint immer noch die Sonne und es bleibt die nächsten zwei Tage trocken.

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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Di, 28. Dez 2021, 15:33

28. Tag – 01. September 2021 – Mittwoch

Ich werde immer früher fertig; heute komme ich bereits um 07:30 Uhr vom Platz. Dabei hatte ich mir viel Zeit gelassen und schon meine Sachen für die Fährüberfahrt zusammen gepackt. Vielleicht ist es ja die innerliche Vorfreude auf zu Hause, die mich im Unterbewusstsein antreibt.

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Nach ein paar Kilometern Gravelroad bin ich wieder auf der Ringstraße. Bis zum Einchecken auf der MS Norröna habe ich noch viel Zeit. Zeit genug, um einen Abstecher zu Islands gewaltigsten bzw. tiefsten Canyon, den Stuðlagil zu machen.

Also wieder runter von der Ringstraße und rauf auf die nächste Schotterpiste – der 923. Gleich zu Beginn der Straße gibt es ein großes Hinweisschild auf zwei Optionen um an den Canyon heran zu kommen: Von einem Parkplatz in Klaustursel kann man 10 Kilometer (hin und zurück) am Fluss Jökulsá entlang wandern oder man fährt noch ca. 5 Kilometer weiter zu einem Aussichtspunkt.

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Ich habe heute keine Lust auf Wandern. Das Wetter ist zwar riesig und die Gegend wunderschön. Aber ich habe das Gefühl, in den letzten Tagen so viel gewandert zu sein, dass ich auch mal etwas Pause brauche. Also entscheide ich mich für die 5 Kilometer enge und staubige Berg- und Talfahrt.

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Das Ergebnis ist sensationell. Ein enger Klamm oder Canyon aus mächtigen Basaltsäulen, in dem sich das grau-braun-trübe Wasser des Gletscherflusses Jökulsá á Brü zwängt.

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Von einem Campingplatz aus führen rund 240 Stufen eine Stahltreppe hinunter zu einer Aussichtsplattform, von der man einen schönen Blick auf die Basaltsäulen und den Canyon hat.

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Allerdings kann von dieser Seite nicht an den Fluss heran gelangen, wie gegenüber von der Ostseite.

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Anschließend die 20 Kilometer Schotterpiste wieder zurück zur Ringstraße. Ich hoffe, das waren für diese Reise die letzte Kilometer Gravelroad, denn wirklich Spaß macht es nicht.

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Ohnehin habe ich heute das Gefühl, dass die Breite der Straßen in Island enger ausgelegt ist, als in Deutschland. Meist ist man ja alleine unterwegs, aber bei der Begegnung mit einem größeren Fahrzeug habe ich schon das Gefühl, es wird eng. Ich glaube, zwei Lastkraftwagen nebeneinander müssen schon deutlich das Tempo drosseln, um unbeschadet aneinander vorbei zu kommen.

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Auf dem Weg nach Egilsstaðir befindet sich unmittelbar an der Ringstraße der Rjúkandi Wasserfall, der mit seinen 163 Metern Höhe mächtig ins Tal fällt.

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Ein kleiner Parkplatz, ein gut angelegter Weg und man erreicht schnell den Punkt der besten Sicht/Aussicht auf den Wasserfall.

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Das war’s denn auch schon mit meinen Wasserfällen in Island, denke ich und fahre weiter zum Einkaufen nach Egilsstaðir. Bonus und Netto, die führenden Namen in der Lebensmittelversorgung. Hier kann ich meine letzten isländischen Kronen in Mitbringsel und Naschies eintauschen.

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Ich habe übrigens in ganz Island während der vier Wochen nirgendwo Bargeld benötigt. Zwar hatte ich mir gleich nach der Ankunft etwa 5.000 ISK im Geldautomaten geholt, gebraucht habe ich sie nirgends. Überall wird wie selbstverständlich mit der Kreditkarte oder auch mit der EC-Karte der Sparkasse bezahlt.

An der N1-Tankstelle hole ich mir einen Kaffee, setze mich mit meinem Wienerbrød auf die Terrasse in die Sonne und betrachte in aller Ruhe das Treiben. Es sind jetzt über 20 Grad und es herrscht nahezu Windstille. Ein richtig schöner Sommertag.

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Nach einer Weile ist der Kaffee ausgetrunken und das Wienerbrød war wie gewohnt lecker. Ich beschließe, den Staub vom Auto zu waschen. Gleich um die Ecke ist ein großer Waschplatz mit Wasserschlauch und Waschbürste. Ist zwar nur kaltes Wasser, aber ich bekomme die größten Verschmutzungen vom Fahrzeug. Zu Hause gibt es dann eine Großreinigung. Denn der Staub und Dreck von vier Wochen Schotterpiste steckt in allen Ritzen und Poren.

Frisch gewaschen geht es jetzt zum letzten Abschnitt, der Straße 93 nach Seyðisfjörður – eine Straße, die es in sich hat. In wenigen Minuten geht es von Meeresspiegelhöhe auf über 600 Meter. Das bedeutet Steigungen und Serpentinen. Ich habe den Eindruck, die Straße nimmt kein Ende.

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Doch zuvor schiebe ich noch einen allerletzten Wasserfall in meine Rundreise. Also ist es nicht der Rjúkandi sondern der Fardagafoss, der den Abschluss bildet.

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Auch hier gibt es einen kleinen Parkplatz und ca. 1,5 Kilometer bis zum Aussichtspunkt zu laufen. Bei steilem Aufstieg und dem grob geschotterten Weg brauche ich rd. 25 Minuten. Natürlich weil auch hier immer wieder schöne An- und Aussichten zu bestaunen sind, wie zum Beispiel den Onno-Óltifoss auf halbem Wege. Doch damit ist das diesjährige Wasserfall-Programm wirklich zu Ende. Auf geht’s nach Seyðisfjörður.

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Hier herrscht lebendiges Treiben. Ein Kreuzfahrtschiff liegt an der Pier und die vielen Touristen drängeln sich in den wenigen und kleinen Butiken. Und natürlich vor der Kirche mit ihrer regenbogenfarbenen Zuwegung. Jeder will ein Foto davon – ich natürlich auch. Und jeder möchte sich davor noch mal gerne in Pose setzen oder stellen (ich nicht). Es ist so gut wie unmöglich, hier einen Moment zu erwischen, auf dem fremde Menschen nicht auf dem Bild sind.

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Zum Abschluss noch ein kurzer Besuch bei dem Klangkunst-Monument Tvisöngur auf der Ostseite des Fjordes. Ein mühsamer Aufstieg von knapp 700 Metern und dann sieht man sie – die sieben ineinander verwobenen kleinen und größeren Kuppeln, in deren Innenräume der Klang jedes Mal anders sein soll.

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Ich glaube, mein Gehör hat im Alter nachgelassen, denn ich nehme kaum einen Unterschied wahr.


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Nun ist es bereits 16:00 Uhr und ich fahre in den Ort zurück, nachdem ich auf den Weg noch einen kurzen Fototermin beim Audbjorg ship, ein altes Schiff, das irgendwann einmal aus dem Wasser gezogen wurde und seitdem an Land vergammelt. Eine Sehenswürdigkeit würde ich es nicht nennen, aber für ein Foto ist es allemal zu gebrauchen.

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Jetzt wird es Zeit zur Einschiffung, finde ich. Ich stelle mich in die Reihe der wartenden Autos im Terminal der Smyril Line. Sehr zügig an vier Schaltern erfolgt das Einchecken. Nur kurz das Ticket gezeigt, die Kabinenkarte bekommen und einen Anhänger für den Rückspiegel, auf dem vermerkt ist, ob „niedrig“, „mittel“ oder „hoch“. Denn je nachdem die Fahrzeughöhe ist wird man später auf einem der Fahrzeugdecks an Bord „gestapelt“.

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Bei einigen Fahrzeugen steht noch ein Mitarbeiter der Reederei mit einer Messlatte, um die tatsächliche Höhe bestimmen zu können. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen.

Nach dem Einchecken geht’s in die Wartespur. Ich habe dort aber kaum noch die Zeit, mich umzuziehen, weil ich meine Wanderklamotten an Bord nicht tragen möchte. Die Fahrt geht unverzüglich weiter zum Schiff.

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Kurz vor der Einfahrt in den Schiffsbauch wird noch einmal das Ticket geprüft bzw. der QR-Code gescannt und schon geht’s an Bord.

Nach zwei Kurven und einer Drehung finde ich endlich meinen Platz. Die Autos werden dabei so eng aneinander gequetscht, dass an kaum noch Platz hat, dazwischen zu treten, um zum Beispiel den Kofferrau öffnen zu können. Mir ist das egal – meine Sachen sind gepackt. Mit einem Handgriff habe ich alles beisammen und wandere zu meiner Außenkabine.

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Die ist in Ordnung; Dreibett zur Alleinbenutzung mit leichter Sichtbehinderung. Damit kann ich für die nächsten drei Nächte leben.

Nicht besonders gut hingegen ist später der Cheeseburger in der Cafeteria – lauwarm und pappig. Und das alles für 15 €! Muss ich nicht wieder haben.

Die Fähre kommt super pünktlich von Seyðisfjörður los und fährt relativ schnell in die Nacht.
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Re: Gravelroads

Beitragvon syltetoy » Di, 28. Dez 2021, 17:34

Oh schade, nun geht es zurück.
Das mit der Messlatte kenne ich von der Color Line, da kommen die auch ständig um zu kontrollieren ob man die richtige Höhe angegeben hat.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Di, 28. Dez 2021, 20:56

syltetoy hat geschrieben:Das mit der Messlatte kenne ich von der Color Line, da kommen die auch ständig um zu kontrollieren ob man die richtige Höhe angegeben hat.


Bei der Smyril-Line ist die unterste Höhe auf 1,90 m gesetzt und nicht, wie bei anderen Reedereien auf 2,00 m (Stena Line, Color Line). Danach gibt es deutliche Höhenzuschläge.
Mein Caddy war mit der Markise genau 1,89 m hoch. Ich war für diese genaue Höhenmessung extra bei TÜV. Trotzdem war mir etwas mulmig, als plötzlich der "Lattenmann" vor mir stand. Aber ich wurde durchgewunken.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Kumulus » Mi, 29. Dez 2021, 10:14

Rückreise – 02./03. September 2021

Das Frühstück empfinde ich bekannt langweilig. Zwei Sorten Aufschnitt, dän. Leberpastete, etwas geschmacksneutraler Käse, unreifes Obst, Joghurt aus dem Tetra Pack, Rührei aus der Tüte, kleine Würstchen und gebackene Bohnen in einer undefinierbaren Soße, Spiegelei und Pfannkuchen. Dazu natürlich noch Marmelade, Honig und dünner Kaffee. Aber die Passagiere streiten sich darum. Das Gedränge ist groß und die Plätze im Restaurant nahezu vollständig besetzt. Zusätzlich zum Fährprogramm sind sehr viele Passagiere an Bord, die bei der Smyril Line eine siebentägige „Wikingerkreuzfahrt“ gebucht haben.

Auf alle Fälle ist mir das zu laut und zu unruhig. So beginnt für mich kein „guter Morgen“. Ich brauche dann immer etwas Ruhe. Und die ist hier nicht zu finden.

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Den Vormittag trödele ich zunächst so dahin und setzt mich später in die Bücherei, um zu lesen und auch um mein Tagebuch zu Ende zu schreiben. Dort ist es auch voll und nicht viel besser, aber die enge Kabine ist keine gute Alternative.

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Kurz nach 15:10 Uhr läuft die Norröna in den Hafen von Tórshavn auf den Färöern ein. Eine Menschenmenge in einem mir ungeahnten Ausmaß versucht über die Gangway das Schiff zu verlassen. Denn erstens hat die Fähre jetzt eine Liegezeit von sechs Stunden und zweitens haben die Behörden der Färöer Inseln die Corona-Regeln nahezu aufgehoben. Ohne Test und ohne Impfnachweis kann jetzt jeder Passagier das Schiff stundenweise verlassen.

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Ich versuche ebenfalls mein Glück, drehe aber auf dem Absatz um, als ich die Schlange an Passagieren sehe, die allesamt von Bord wollen. Also warte ich noch eine Stunde und kann gegen 16:00 Uhr problemlos und ohne Wartezeit von Bord gehen. Dabei werde ich am Ausgang via Scan abgemeldet.

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Die Hafenstadt Tórshavn liegt leider ein wenig im Nieselregen. Ich besuche die Jahrhunderte alte Hügelfestung Skansin mit Kanonen, Waffen aus dem 2. Weltkrieg und einem Leuchtturm mit Meerblick, die sich unmittelbar am Fähranleger gegenüber befindet.

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Viel zu sehen gibt es dort aber nicht: ein altes Haus, ein alter Leuchtturm, vier alte Kanonen aus der Zeit Friedrichs VIII bzw. Christian VII sowie ein Geschütz aus dem 2. Weltkrieg. Nicht besonders aufregend und auch alles geschlossen.

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Der Regen wird zum Glück weniger und hört später ganz auf. Ich spaziere eine wenig am Hafen und in der Altstadt. Etliche Cafés und Bars, ein paar Butiken, aber alles unspektakulär.

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Nach gut zwei Stunden hatte ich genug „frische Luft“ und gehe an Bord zurück. Auch jetzt keine Wartezeiten und eine angenehme Ruhe an Bord. Die meisten Passagiere sind anscheinend noch nicht zurück. Das Schiff wirkt wie ausgestorben.

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Mein Abendessen in der Nóatún Cafeteria hatte ich bereits von zu Hause aus gebucht. Die Gerichte sind „gut bürgerlich“, schmackhaft und reichlich. Alles gut!

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Nach den Tagesthemen geht’s für mich in die Koje.

03./04. September 2021 – Freitag/Samstag

An Bord herrscht eine merkwürdige Stimmung und Unruhe. Obwohl alle Plätze in der Bibliothek, im Backbordbereich auf Deck 5 vor der Sjóbúðin und natürlich in der Panorama-Lounge „Laterna Magica“ gut besetzt sind, laufen überall Passiere unruhig herum. „Hochsee-Koller“ oder was ist das? Ich nehme an, viele können sich einfach nicht beschäftigen und sind deshalb so unruhig, weil von der Reederei bzw. dem Schiff erst am Nachmittag/Abend Angebote zur Unterhaltung zu erwarten sind.

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Ich finde meinen Platz in einer Sitzecke und lese, schreibe und genieße den Blick auf das Meer. Die Seereise ist ruhig und am Nachmittag kommt sogar die Sonne raus. Ich nutze dieses gute Wetter für einen Besuch in einem der Hot Pots an Bord. So kann ich entspannt und schön meine Island-Reise ausklingen lassen.

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Der Rest ist schnell erzählt:
Am nächsten Morgen läuft die Norröna planmäßig in den Hafen von Hirtshals. Die Passagiere werden decksmäßig zu ihren Fahrzeugen gerufen. Das hilft allerdings nicht viel. Die Autos sind so dicht zusammen geparkt, dass es nur noch im Reißverschlussverfahren von Bord gehen kann, nachdem die Rampe hinuntergelassen ist.

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Das dauert und dauert und dauert. Aber irgendwann hat das Warten zwischen all den Autos sein Ende und ich kann von Bord fahren und mich unmittelbar auf die Autobahn 45 in Richtung Heimat begeben. Ein schöner Urlaub findet gegen 17:30 Uhr sein Ende.

Tschüss und vielen Dank für die freundliche „Begleitung“ und Kommentierung!

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Re: Gravelroads

Beitragvon DSR-Seemann » Mi, 29. Dez 2021, 14:10

Danke für den netten Bericht und die schönen Bilder, da kamen gleich ein paar schöne Erinnerungen an meine Ausflug auf die Färöer-Inseln Anfang November zurück... :)

Und JA, das Frühstück auf der „Norröna“ ist ganz schlimm... :roll:
Even after the worst storm the sun will shine again - MfG von der Ostsee, Micha.
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Re: Gravelroads

Beitragvon Tolli » Mi, 29. Dez 2021, 17:39

Auch von mir einen lieben Dank für den interessanten Reisebericht und die vielen schönen Fotos.
Wer weiss, vielleicht schaffen wir es auch einmal diese Insel mit dem Womo zu bereisen.
Der Appetit wurde jedenfalls angeregt.
Gruss Josef
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