Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Arbeiten, Formalitäten, Wohnen, Studieren, Au-pair, Schüler-/Studentenaustausch, Praktika. Wir sind keine Jobbörse!

Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon derstein » Mi, 24. Jun 2026, 20:27

Guten Tag Zusammen,

erstmal Danke für die Aufnahme.

Ich bin Matthias, 33 Jahre alt und plane mit meiner Verlobten und unserer 1jährigen im Laufe des nächsten oder übernächsten Jahres nach Norwegen auszuwandern.
Wir haben uns schon dieses Jahr im Süden und Süd-Osten Norwegens umgeschaut um ggf das richtige Plätzchen zu finden.
Ich bin Fleischermeister und uns wurde vor Ort erzählt, dass wohl in der Umgebung um Lillehammer die Chancen eine Anstellung zu finden sehr gut sein sollen. Die Überlegung ist, sich vor der Auswanderung, entweder dort einen Job in der Großindustrie zu suchen oder auf einer Ölplattform für eine Anstellung in der Küche anzufragen. In der Nähe meines Arbeitsplatzes wollen wir dann erstmal zur Miete leben.
Meine Frau ist gelernte Bankkauffrau, hat die letzten Jahre für verschiedene Arbeitgeber im Büro als Sachbearbeiterin und Verwaltungsangestellte gearbeitet und hat vor arbeiten zu gehen, sobald die Kleine im Kindergarten ist.
Vor unserem Umzug wollen wir durch Sprachkurse an einer Volkshochschule und durch Apps norwegisch lernen.
Wir haben kein Elektrofahrzeug. Aufgrund der hohen Einfuhrkosten und der steuerlichen Abgaben möchten wir in den ersten drei Monaten unseres Aufenthalts in Norwegen ein Elektrofahrzeug erwerben und anmelden, sodass wir unseren Wagen nach den drei Monaten in Deutschland wieder veräußern können.
Wir haben gelesen, dass es dauern kann, bis man eine D-Nummer nach der Registrierung bei der örtlichen Polizei erhält, wovon allerdings scheinbar alles abhängt - die Anmietung einer Wohnung, der Kauf und die Anmeldung eines Wagens, die Anmeldung unserer Tochter im Kindergarten... Ein finanzielles Polster haben wir, allerdings wissen wir nicht, wie viel genug ist.

Meine Frage an die Community: Habt ihr Tipps, glaubt ihr unsere Pläne scheinen realistisch oder sehen wir das ganze zu einfach und vergessen wichtiges.
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon Særling » Fr, 26. Jun 2026, 7:21

Hallo und willkommen,

Eigentlich "wie immer" die selben Tips zur Reihenfolge:

- Mindestens einen Job finden, der Euch über Wasser halten kann, und den Ansprüchen des UDI genügt.
- Mit diesem Job ist dann auch Registrierung und P-Nummer kein Problem.
- Wo dieser Job ist, ist erstmal egal. Später umziehen kann man immernoch.
- Dann erst auswandern.
- (Wie Du schon schreibst) Erstmal zur Miete wohnen.


Anmerkungen:

Die sog. D-Nummer ist (vereinfacht gesagt) für Euch bestenfalls kurzzeitig von Interesse.
Mit festen Job und Wohnsitz in Norwegen bekommt Ihr eine P-Nummer, mit der Ihr dann auch in Krankenkasse und Rentensystem seid.

Für die Arbeit auf einer Ölplattform brauchst Du eine Reihe zusätzlicher Zulassungen/Kurse.
Es ist vermutlich einfacher auf dem (Fest-)Land einen Job zu finden.

Wenn Du nicht spezifisch in Deinem erlernten Beruf eine Anstellung findest, wirst Du auf dem Arbeitsmarkt für ungelernte Arbeitskräfte mit viel mehr Konkurrenz rechnen müssen. Mehrheitlich Leute, die bereits im Land leben, die Sprache sprechen, und aufgrund dessen Dir gegenüber Vorteile haben.
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon ChristianAC » Mo, 29. Jun 2026, 9:28

Die D-Nummer kann durchaus im Anfang interessant sein.

Gut.....man ist damit nicht 100% geschäftsfähig, aber man kann durchaus damit im Anfang durch den
Allltag kommen.
Gerade bzgl. kann die D-Nummer auch von Vorteil sein, da man hiermit erstmal bis zu einem Jahr ohne grossen
bürokratischen Stress mit seinem deutschen Auto in Norwegen rumfahren kann. Ein zweites Jahr ist zwar im Prinzip
auch möglich, aber hier muss dann explizit ein Antrag gestellt und begründet werden.

Geht man direkt auf die P-Nummer, so ist das Auto formell innerhalb von 14 Tage umzumelden / einzuführen oder
aus Norwegen auszuführen.
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon Særling » Mo, 29. Jun 2026, 9:34

Stimmt natürlich, setzt aber voraus dass der Job erstmal ein befristeter Vertrag ist.

Unbefristeter Vertrag = P-Nummer
Befristeter Vertrag = D-Nummer

(zumindest war das die Aussage des UDI, die ich in den letzten Jahren mehrfach bekommen habe)
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon derstein » Mi, 01. Jul 2026, 19:56

vielen dank für die schnellen und hilfreichen antworten.
also das mit der Ölplattformen ist auch erstmal vom Tisch. ich würde erstmal einen job in der Fleischindustrie anstreben und dort meine Sprachkenntnisse vertiefen wollen und dann kann man entspannt weiter schauen.

also ist die Mitnahme des Autos nur so kurz möglich mit festvertrag (p-Nummer)?

hab ich das richtig verstanden man bekommt nach einem arbeitsvertag von der Polizei eine p oder d Nummer und damit kann man dann Konten eröffnen und sich damit eine Mietwohnung suchen ?
das muss denke ich mal alles vorab vor Ort stattfinden oder Geht das auch viel online ?
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon Særling » Do, 02. Jul 2026, 7:19

derstein hat geschrieben:...
also ist die Mitnahme des Autos nur so kurz möglich mit festvertrag (p-Nummer)?


Ja, falls Du einen Festvertrag hast, musst Du Dein Auto zeitnah entweder offiziell einführen, oder wieder aus dem Land schaffen.

derstein hat geschrieben:hab ich das richtig verstanden man bekommt nach einem arbeitsvertag von der Polizei eine p oder d Nummer und damit kann man dann Konten eröffnen und sich damit eine Mietwohnung suchen ?
das muss denke ich mal alles vorab vor Ort stattfinden oder Geht das auch viel online ?


Wenn Du Deinen Arbeitsvertrag hast, machst Du online einen Termin bei der Polizei aus, und gehst dann zum vereinbarten Termin dorthin.
Da wird dann die Registrierung gemacht, und Du bekommst Deine Nummer (bzw. Eure Nummern, da ihr ja zu dritt seid).
Damit geht dann alles Weitere.

Im Detail ist das hier beschrieben:
https://www.udi.no/
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon ChristianAC » Do, 02. Jul 2026, 12:55

derstein hat geschrieben:also ist die Mitnahme des Autos nur so kurz möglich mit festvertrag (p-Nummer)?


Jein.....das hängt mit dem Erlangen der P-Nummer zusammen. Je nach Region kann das auch einige
Wochen und Monate in Anspruch nehmen, bis du die P-Nummer in Händen hälst. Das liegt schlicht daran,
dann du bei den Behörden einen dafür nötigen Termin gebucht bekommst. In Oslo könen da durchaus 6 Monate
ins Land gehen.

Hast du die P-NUmmer....hast du formell 14 Tage, das Auto entweder einzuführen oder ausser Landes zu schaffen.

derstein hat geschrieben:hab ich das richtig verstanden man bekommt nach einem arbeitsvertag von der Polizei eine p oder d Nummer und damit kann man dann Konten eröffnen und sich damit eine Mietwohnung suchen ?
das muss denke ich mal alles vorab vor Ort stattfinden oder Geht das auch viel online ?


Nein. Von der Polizie bekommst du einen sogenannten Registreringsbevis. Kurz zusammengefasst bestätigt die Polizei
damit nur, dass du bei denen vorstellig geworden bist, sie deine Dokumente geprüft haben und festgestellt haben, dass
DU...DU bist.

Von dort geht es weiter zum Skatteetaten.
Dort wird dein Arbeitsbertrag geprüft, ob du genug Arbeitsstunden und genug Verdienst hast, um eine P-Nummer oder
wenn dem Skatteetaten das ncht ausreicht zB nur eine D-Nummer bekommst.
Verpflichtend für eine P-NUmmer ist zB auch ein Mietvertrag. zB gilt ein Campingplatz nicht als ausreichend in diesem
Sinne. Ich habe zB die ersten 6 Monate in Stavanger auf einem Capingplatz gelebt, bevor ich eine Wohnung gefunden
hatte.Das reicht für deine D-Nummer, aber halt nicht für eine P-Nummer.

Ne D-NUmmer gibts im Zweifel ToGo.....eine P-Nummer kann bis 14 Tage dauern, wenn du alle Kriterien erfüllst.

Mit einer D-Nummer bekommst du zumindest schon mal ein Konto bei ausgewählten Banken, zB Sparebank 1.....nicht bei
allen Banken. Damit kann man aber schon mal in Norwegen leben. Aber du hast zB damit keinen Hausarzt und bei dem
kleinsten WehWehchen ist dein Weg in die Notaufnahme / Legevakt.
Deshalb musst du dich auch nicht sofort in Deutchland abmelden und deine Krankenkasse aufgeben. Das sollte man
erst machen wenn man die P-Nummer hat. Solange solltest du auch eine Auslandskrankenversicherung haben.

Du siehst.....das ist viel Dynamik drin.

Die Polizei- / Skatteetaten-Geschichte ist in einigen Regionen im SUA (Servicesenter for utenlanske arbeitstakker)
www.sua.no
zusammengefasst.....aber nicht überall. Du musst via udi.no gucken, wie das in der Region in der du dich anmeldest
geregelt ist.
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon Særling » Do, 02. Jul 2026, 17:00

Stimmt, da ist viel Dynamik drin.
Und dieser Prozess kann ziemlich verwirrend, stressend, und vielleicht sogar einschüchternd sein.
Besonders wenn man das (oder Ähnliches) vorher noch nie gemacht hat.

Und man könnte nun fragen ob das was @ChristianAC schrieb nicht (teilweise) dem widerspricht was ich geschrieben habe.
Nein, denn der Prozess ist nicht unbedingt so rigide wie man eigentlich erwarten könnte wenn man auf den Seiten des UDI oder der Polizei/SUA nachliest... Aber manchmal ist er das ;-)

Ich war in den letzten drei Jahren insgesamt bei fünf Personen in den bürokratischen Prozess mit dem UDI und der Polizei einbezogen. Zweimal nur als Dolmetscher bei den Amtsgängen, dreimal als Bevollmächtigter für den gesamten Prozess.

Und da sind ein paar Dinge nicht "nach Protokoll" gelaufen.

z.B. haben zwei der Leute, für die ich Bevollmächtigter war, sofort an Ort und Stelle bereits bei Registrierung ihre P-Nummer bekommen.
Und das obwohl sie beide noch keinen Mietvertrag hatten!

Zwei andere haben dafür ihre D-Nummer erst bekommen als sie schon wieder ausser Landes waren.



Ein weiterer Punkt, der viele Leute verunsichert ist auch der Termin den man mit der Polizei bzw. dem SUA machen muss.
Offiziell hat man dazu eine bestimmt Frist, aber manchmal ist es schlicht unmöglich diese Frist einzuhalten weil man garnicht rechtzeitig einen Termin buchen kann.
Solange man aber nachweisen kann, dass man sich bezeiten um einen Termin bemüht hat, ist dann auch die Fristüberschreitung kein Problem mehr.


Es gibt bei einem Einwanderungsprozess vieles was einem schlaflose Nächte bereiten kann, aus Angst vielleicht etwas falsch zu machen.
Ganz besonders wenn dann auchnoch manche Dinge anders ablaufen als erwartet.
Aber solange man die grundsätzlichen Bedingungen für die Einwanderung erfüllt, regelt sich das dann alles.
Nicht immer "nach Lehrbuch", aber es regelt sich.

Wie gesagt, solange man die grundsätzlichen Bedingungen erfüllt.
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon ChristianAC » Do, 02. Jul 2026, 17:42

Mir ging es im Wesentlichen darum, daß man die D-/P-Nummer nicht bei der Polizei sondern vom Skatteetaten bekommt.

Das kann beim SUA vielleicht verwirrend sein, weil die Tresen in einem Gebäude direkt nebeneinander liegen.

@Særling Ich habe das genau wie du in den letzten zwei Jahren mit mehreren durch, die bei uns ihr Leben
in Norwegen begonnen haben plus 4 Austauschschüler für ein Jahr. Bei den Austauschschülern hätte es eigentlich
mit dem Registreringsbevis gereicht….da die letzte aber aktive Biathletin war ist es bis zur Waffenlizenz für
eine 16jährige gegangen, wobei dann auch noch P-Nummer und BankID bei abgefallen sind.
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Re: Realistische einschätzung unserer Pläne :)

Beitragvon derstein » Fr, 03. Jul 2026, 20:02

viele dank für diese ganzen hilfreichen Informationen :) dann werden ich jetzt nun meine volle Konzentration der Sprache widmen und mir schnellst möglich einen job suchen damit man den Zeitplan im besten fall halten kann.
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